Christmas Lights

Weihnachten ist schon seit drei Wochen vorbei. Neujahr und das russisch-orthodoxe Weihnachtsfest am 07. Januar sind ebenfalls verstrichen. Trotzdem ist ein Großteil der Stadt, der Straßen und Busse und Cafés immer noch geschmückt.

Gestern habe ich mich schon wieder dabei erwischt, viel zu viele Fotos von den bunten Weihnachts- und Neujahrslichtern zu schießen. Deshalb hier ein paar Eindrücke des festlichen Bischkek:

Ala-Too Square bei Tag

und bei Nacht

Die Manas Statue

Busfahrten durch den Dezember

Ein Tannenbaum darf auch nicht fehlen

Das Heim war voll geschmückt

Kunstvolle Fensterbemalungen verschönerten nicht nur die Busfahrten

Die Brücken, Bäume und Parks leuchten

Und das bin ich, wie ich absolut glücklich über die Lichter und den Schmuck und die festliche Stimmung und natürlich meine absolut geniale Mütze bin.

Bischkek ist eine wunderbare Stadt und inzwischen ein zweites Zuhause für mich. Das festliche Bischkek macht mich nur noch glücklicher und verliebter als ich sowieso schon bin. Vor allem die kreativ geschmückten Busse und Maschrutkas haben mir den Dezember versüßt und mich immer wieder zum schmunzeln gebracht.

Rund ums Essen

Wo kauft ihr eure Lebensmittel ein?

Zwischen der Bushaltestelle und unserer Wohnung ist ein kleiner Lebensmittelbasar. Vor dem Basar sind außerdem immer Straßenstände aufgebaut, an denen Obst, Gemüse, Eier und ein paar andere Kleinigkeiten angeboten werden.  Obst und Gemüse, Eier und Brot kaufen wir dort. Den Rest, das heißt Butter, Milch, Joghurt usw. kaufen wir in der Filiale einer lokalen Supermarktkette, die sich fast direkt vor unserer Haustür befindet.

Wo kann man in Bischkek besonders gute Lebensmittel kaufen?

Am besten lassen sich Lebensmittel vor allem Obst, Gemüse und das lokal typische Brot auf den Basaren, ob den großen wie dem Osh-Basar oder kleineren marktähnlichen, wie dem bei uns in der Straße, kaufen. Den Rest findet man in der Regel auch da, obwohl sich zum Beispiel für Milchprodukte auch die Supermärkte eignen. Die Supermärkte haben in der Regel rund um die Uhr an allen Wochentagen auf. Die Basare und Märkte nur tagsüber.

Wie steht es mit regionalem Obst und Gemüse?

Es gibt reichlich lokales Obst und Gemüse. Von Äpfeln, über saftige Pfirsiche, Melonen, Beeren bis hin zu Kürbis, Möhren, Auberginen und Vielem mehr. Überall lassen sich auch importierte Bananen und im Winter ebenfalls importierte Kiwis und Ananas kaufen. Wie die meisten nicht abgepackten Lebensmittel, stammen Obst und Gemüse in der Regel von den Feldern und Bauernhöfen im eigenen Land.

Die Hauptsaison ist die warme Jahreszeit, das heißt von April bis Oktober. Im Winter ist das Obst und Gemüse teurer. Die riesigen oft usbekischen Wassermelonen, für die man im Sommer umgerechnet keine 50 Cent bezahlt, verschwinden von den Verkaufstischen. Citrusfrüchte und Lagerfähiges wie Möhren und Äpfel lassen sich hingegen im Winter sehr gut kaufen. Wallnüsse findet man in Kirgistan, welches die größten Wallnusswälder der Welt beherbergt, natürlich zu jeder Jahreszeit.

Wie kocht ihr? Was kocht ihr?

Wir kochen als WG in unserer kleinen Küche mit Gasherd. Anfangs haben wir fast täglich frisch gekocht und Gebrauch von dem sommerlich günstigen und frischen Obst und Gemüse gemacht. Mit dem Winter und dem Sprachkurs, durch den wir drei Tage die Woche erst um 20 Uhr zu Hause sind, sind wir leider ein bisschen fauler geworden und neigen öfter mal zu einfach Brot und Nudeln. Zwei- bis Dreimal die Woche kochen wir allerdings immer noch frisch. Die gemeinsamen Stunden, die wir schon schnippelnd und lachend miteinander in der Küche verbracht haben, gehören sicherlich zu den schönsten des WG-Lebens.

Gibt es kirgisische Restaurants, in denen ihr Essen geht? Was gibt es in kirgisischen Restaurants? Wie sieht die kirgisische Küche aus?

Es gibt natürlich kirgisischen Restaurants. Viele sind im Familienbesitz und es gibt eine bekannte Kette, die in mehren über die Stadt verteilten Filialen typisch kirgisischen Küche anbietet.

Typisch kirgisisch bedeutet das, was man auch als Gast in kirgisischen Familien angeboten bekommt. Dort gilt vor allem eines: Hauptsache jeder wird satt. Kirgisische Freunde haben uns erzählt, dass im Kirgisischen gesagt wird, jeder habe zwei Mägen und wichtig sei, beide zu füllen. In der Regel füllen einen „typisch“ kirgisischen Tisch verschiedene Salate, die manchmal auch Fleisch enthalten, Borsok, d.h. luftige frittierte Teigstückchen, Obst und Süßes. Oft bekommt man Suppe angeboten und häufige Hauptgerichte sind Plow (Reis mit Fleisch und Gemüse), Besch Barmak (lange Nudeln, Fleischstücke und Zwiebeln) und das dunganische und uigurische Lagman (Nudeln und Gemüse mit Fleisch). Beliebt sind auch russische Gerichte wie Hering im Pelzmantel oder Borscht. In jedem kirgisischen Restaurant und den meisten kirgisischen Familien bekommt man auch vergorene Stutenmilch angeboten.

Wie viel Trinkgeld sollte man geben?

Trinkgeld wird, da die Löhne eher niedrig sind, gerne angenommen. Taxifahrer und Frisöre erwarten kein Trinkgeld. In den internationalen Cafés und Restaurants in Bischkek werden einem oft 5-15 Prozent Trinkgeld pauschal angerechnet. In Restaurants, in denen dies nicht der Fall ist, macht man mit ca. 10 Prozent sicherlich nichts falsch.

Fragen aus der Heimat

“Wie war deine erste Begegnung mit den Kindern des Heims? Wie haben sie auf dich reagiert und du auf sie?“

Meine erste Begegnung mit den Kindern des Heims war an meinem zweiten Tag in Kirgistan. Unsere Vorfreiwilligen mussten leider vor unserer Ankunft abreisen, sodass wir sie nicht mehr kennen lernen konnten. Glücklicherweise war während unserer ersten Tage im Land eine ehemalige Freiwillige zu Besuch, die uns dann die Stadt und auch das Heim zeigen konnte.

In den Augen vieler Kinder waren wir bei unserer ersten kleinen Führung durch das Heim glaube ich nur ein paar Leute, die halt im Gebäude rumgelaufen sind und denen man keine große Beachtung schenken muss. Ein paar Kinder kamen auf uns zu und wollten wissen, wer wir sind und waren dann sehr schnell dabei uns die Englischkenntnisse, die sie hatten zu präsentieren. Ich erinnere mich, dass ich sehr aufgeregt war, während dieses ersten Besuches, aber auch sehr erleichtert, weil klar wurde, dass die Sprachbarriere zwar da war, aber nicht unmöglich zu überwinden.

Die ersten Wochen waren einfach aber doch schwierig. Viele der älteren Kinder waren – teilweise bis vor einem Monat noch – mir und meiner Mitfreiwilligen gegenüber sehr reserviert und verschlossen. Die ganz kleinen, d.h. die zwei- bis sechsjährigen haben mir ehrlicher Weise ein wenig Angst eingejagt und mich ein wenig überfordert. Sie waren sehr kontaktfreudig. Einerseits wollten gefühlte zehn Kleinkinder gleichzeitig, dass man sie auf den Arm nimmt, und andererseits haben weitere fünf versucht mich auf die Palme zu treiben und auf negative Art und Weise zum Beispiel durch schlagen meine Aufmerksamkeit zu erlangen.

Die „mittleren Kinder“, d.h. diejenigen, die im Grundschulalter sind und mit denen wir die meiste Zeit verbringen, waren größtenteils offen uns gegenüber, haben gleichzeitig aber auch versucht unsere Grenzen auszutesten und uns dazu zu bringen, genau das zu tun, das zu spielen, was sie genau jetzt in diesem Moment von uns wollen.

Unsere erste Begegnung und die ersten Wochen waren so zwar sehr positiv und es hat unglaublich viel Spaß gemacht, alle kennen zu lernen, aber es hat definitiv seine Zeit gedauert, eine wirkliche Beziehung und Vertrauen aufzubauen. Es gab dabei natürlich von Kind zu Kind und von Altersgruppe zu Altersgruppe andereHerausforderungen und Barrieren zu überwinden.

„Inwiefern hat sich die Begegnung verändert? Wie ist es, wenn du heute ins Kinderheim kommst? Reagieren sie jetzt anders auf dich und reagierst du jetzt anders auf sie?“

Wenn ich heute ins Heim komme, dann werde ich teilweise schon draußen mit Klopfen ans oder Rufen aus dem Fenster des Jungs Zimmers, welches den Eingang überblickt, begrüßt. Die Mitarbeiter und die älteren Kinder grüßen mich und spätesten im Treppenhaus umarmt mich das erste Grundschulkind. Selbst die Allerkleinsten wissen inzwischen meinen Namen, und können meine Mitfreiwillige und mich inzwischen auseinanderhalten.

Einer der sechzehnjährigen Jungen hat angefangen uns mit einem für uns reservierten Handschlag zu begrüßen und selbst die jugendlichen Mädchen begrüßen uns seit Anfang des Monats. Bis wir mit zwei von ihnen den Weihnachtsmarkt der deutschen Botschaft besucht haben, waren gerade diese noch sehr reserviert uns Freiwilligen gegenüber.

Ich freue mich inzwischen genauso sehr alle Kids zu sehen, wie sich viele von ihnen freuen, mich zu sehen. Ich weiß genau, an welcher Stelle ich „Nein“ sagen muss und an welcher ich problemlos nachgeben kann. Die Kinder respektieren mich einerseits weitaus mehr als Autoritätsperson als am Anfang, nennen mich andererseits auch inzwischen ihre Freundin und öffnen sich mir gegenüber, wenn sie Probleme haben, oder vertrauen mir an, wenn sie verliebt sind.

Ich bin jeden Tag wieder überrascht und dankbar über die Beziehung, die Verbindung und das Vertrauen, die die Kinder des Heims und ich inzwischen miteinander haben.

Infos und über den Tanz ins neue Jahr

Die Infos:

Mein Sprachgefühl ist momentan komplett durcheinander. Russisch mischt sich mit Englisch und Englisch mit Deutsch und umgekehrt. Das ist natürlich gut und wunderbar. Ich bin jeden Tag besser in der Lage Russisch zu reden und außerhalb der WG verständige ich mich hauptsächlich auf Englisch, falls mein Russisch dann doch nicht ausreicht. Das eigentlich nur als kleine Bemerkung vorne weg. Eventuell schleichen sich in meine Einträge ein paar Sätze mit englischem Satzbau ein und vielleicht werde ich in der Zukunft auch ein paar Einträge komplett auf Englisch veröffentlichen – der Einfachheit halber.

Und da mich immer wieder eine Menge Fragen aus der Heimat erreichen habe ich mich nach einem kleinen Stupser vom Dornröschen-Wolle-Team dazu entschieden, jeden zweiten Donnerstag ein paar „Fragen aus der Heimat“ zu beantworten. Der erste Eintrag dieser Rubrik wird bereits morgen zu lesen sein.

Über den Tanz ins neue Jahr:

Nach dieser kleinen Infobox wünsche ich allen ein wunderschönes und großartiges Neues Jahr!

Sylvester und damit auch das kirgisische Weihnachten habe ich gemeinsam mit meiner Mitfreiwilligen und mit den Kindern im Heim verbracht.

2018 hätte nicht besser beginnen können. Tanzend zu russischer Musik und unter Kinderlachen verstrichen die letzten Minuten des alten und die ersten Minuten des Neuen Jahres.

Der Tanz- und Veranstaltungsraum wurde erst für Spiele und später dann als Disko genutzt. Gemeinsam mit Kleinsten und den Ältesten wurden „Reise nach Jerusalem“ und andere Gruppenspiele gespielt. Zwei ehemalige Heimjungen, die inzwischen als junge Erwachsene immer noch aushelfen, waren Weihnachtsmann und DJ. Die Mädchen hatten die Chance ihre schönsten Ballkleider zu tragen. Ein Betreuer, der eigentlich frei hatte, verbrachte sein Neujahr trotz dessen, wie auch die zehn Jahre zuvor, mit „seinen“ Kids. Die Betreuer, die arbeiten mussten, bekamen ein kleines Weihnachtsgeschenk von den Kindern.

Nach den Spielen gab es ein kleines Festmahl und dann Feuerwerk. Daraufhin gingen die Kleinen ins Bett und die Älteren tanzten gemeinsam mit uns ins neue Jahr hinein.

Ich bin unglaublich dankbar für dieses unglaublich schöne und einmalige Sylvester, das ich nicht anders hätte verbringen mögen.

Fliegen

Das ist alles was noch bleibt. Das Visum ist abgeholt, das Vorbereitungsseminar hat noch Einiges an Sicherheit gegeben, der Koffer ist gepackt und die Meisten schon verabschiedet. In weniger als 48 Stunden werde ich auf dem Weg sein und mich in erschreckend realer Weise auf der Schwelle zwischen zwei Lebensabschnitten befinden.

Und obwohl die letzten Wochen und Tage ein Wirrwarr aus Abschiedsschmerz und Vorfreude, aus Angst und Mut, aus Lachen und Weinen gewesen sind gehe ich diesen letzten Schritt mit einem Lächeln auf dem Gesicht und einer unerschütterbaren Gewissheit im Herzen.

Ich habe das große Glück dabei eine Gruppe unglaublicher Menschen hinter mir stehen zu haben. Die mich vermissen werden, für die sich auch vieles mit meiner Abreise verändern wird und die mich trotz alle dem fliegen lassen.

Mit diesen Menschen genieße ich jetzt meine letzten Stunden in Deutschland, bevor ich am Montagmorgen ins Flugzeug steige und mich endlich auf den Weg machen werde nach Kirgistan.

Warum Kirgistan?

Warum nicht?

Also….

meine Entscheidung mit Weltwärts nach Kirgistan zu gehen, was eine eher ungewöhnliche Landeswahl ist, kam wie folgt zustande:

Ich wollte gerne einen Freiwilligendienst im Ausland machen, weil mich Kontakt zwischen verschiedenen Kulturen fasziniert und ich mich gerne mit mir Fremden auseinandersetze. Ich bin auf meiner Suche nach der für mich richtigen Form des Freiwilligendienstes auf Weltwärts gestoßen und war von dem Programm und vor allem der Philosophie, also dem Gedanken, der Intention hinter dieser Form des Freiwilligendienstes begeistert.

Nach vielen Stunden Recherche, habe ich mich dann entschieden, mich bei VIA (meiner Organisation) für einen Weltwärts- Freiwilligendienst zu bewerben. Ausschlaggebender Grund bei der Wahl meiner Organisation war dabei, dass man sich bei VIA nicht auf ein bestimmtes Land beschränken muss, sondern sich für Kontinente, d.h. landesunabhängig für den Freiwilligendienst bewerben kann und soll. Sinn der Sache ist, dass im Mittelpunkt steht ein passendes Projekt zu finden, ohne sich dabei auf ein bestimmtes Land zu beschränken.

Da ich kein Wort Spanisch spreche habe ich Lateinamerika außen vorgelassen und mich für Afrika und Asien generell beworben. Letztendlich hatte ich verschiedene Projektvorschläge und musste mich zwischen meinem Projekt in Kirgistan und einem anderen Projekt in Indien entscheiden.

Die Entscheidung fiel mir mehr als schwer und am Ende hat nicht der Kopf, sondern das Herz entschieden. Vielleicht war letztendlich auch die Faszination ausschlaggebend, in einem für Westeuropäer eher unbekanntes Land zu leben.

So war, als ich den Projektvorschlag bekam, alles, was ich über Kirgistan wusste, dass es irgendwo in Zentralasien- „da bei Kasachstan“ – liegt. Während ich ein Bild von Indien hatte, dass von Filmen und Stereotypen und ein wenig Schulwissen geprägt war, erschien Kirgistan wie ein unbeschriebenes Blatt für mich.

Der wichtigste Grund für meine Entscheidung war allerdings das Projekt. In Kirgistan wurde mir ziemlich genau das Projekt vorgeschlagen, das ich bei meinem ersten Telefoninterview mit VIA auf die Frage „Wie würde dein absolutes Traumprojekt aussehen?“ hin, beschrieben hatte. Als ich das realisierte fiel die Entscheidung da auf einmal ganz leicht.

So habe ich mich letzten Winter also entschieden, mit Weltwärts nach Kirgistan zu gehen. Eine eher ungewöhnliche Wahl, aber eine, die ich bis jetzt keine Sekunde lang bereut habe. Im Gegenteil, meine Liebe, meine Faszination, und meine Vorfreude auf mein Projekt und auf Kirgistan wachsen von Tag zu Tag und ich kann es kaum noch erwarten endlich in den Flieger zu steigen und loszulegen, Land und Projekt wirklich kennen zu lernen.

Das Gefühl „Produktiv zu sein“

Mein gestriger Ausflug zur Botschaft ist erfolgreich überstanden und das Vorbereitungsseminar rückt immer näher. Der Gedanke bald erst mal zehn Tage weg zu sein hat mir anfangs der Woche noch Stress bereitet, ist nun aber zu einer schönen Aussicht geworden.

Stress deshalb, weil nicht zuhause sein bedeutet, keine Gelegenheit zu haben, alles Notwendige in Richtung Freiwilligendienst erledigen zu können. So war ich diese Woche im Zugzwang, in der sauren Apfel zu beißen. Das heißt im Klartext: zwei Impfungen, zwei Banktermine, der Visumsantrag, ein paar abgesendete Briefe und bestellte Kontaktlinsen.

Auf meiner Liste von Dingen, die noch unbedingt vor dem Seminar erledigt sein müssen, ist jetzt nur noch eines offen- Koffer für ebendieses Seminar packen!

 

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