Meine Arbeit im Zentr reabilitazii detei i molodjoshi

Meine Zeit in Kirgistan und damit auch meine Arbeit im Zentr reabilitazii detei i molodjoshi neigt sich dem Ende zu.

Ich habe eine feste Rolle, einen festen Platz. Der Arbeitsalltag ist komfortabel. Meine Verbindung und Beziehung zu den kleinen und großen Individuen, mit denen ich zusammenarbeite ist mehr als gut. Die Einsetzstelle ist zentraler Dreh- und Angelpunkt meines Freiwilligendienstes und meine Arbeit dort hat mich geprägt und sich im Laufe des vergangenen Jahres konstant weiterentwickelt.

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Über meine Tätigkeiten im Zentr reabilitazii detei i molodjoshi und wie meine ersten Wochen dort verliefen kann man in einem meiner früheren Blogeinträge nachlesen, aber insgesamt sehe ich meine Rolle in der Einsatzstelle wie folgt: Ich bin für eine gelenkte Freizeitbetreuung zuständig. Obwohl Betreuer da sind, fehlt die Zeit, einer Zweitklässlerin beim Lesenüben zuzuhören oder mit einem Drittklässler erneut eine nichtverstandene Mathematikaufgabe durchzurechnen. Raum zum Basteln, Spielen von Brettspielen und Springseilspringen zu geben, gehört genauso zu meinen Aufgaben, wie auf die Handvoll von Kindern und Jugendlichen, die mit dem Wunsch Englisch oder Deutsch zu lernen auf mich zukommen, einzugehen und sie dabei zu unterstützen. Mehr Details gibt es auch in meinem Eintrag „Fragen aus der Heimat“.

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Wenn ich zurückdenke, merke ich, dass ich mit Situationen anders umgehe als noch vor 10 oder 11 Monaten. Ich schaffe es, besser zu koordinieren, wenn ich mit einer großen oder kleinen Gruppe von Kindern zusammenarbeite, und eventuelle Probleme beziehungsweise Reibungspunkte im Vorhinein zu erkennen und präventive Maßnahmen zu ergreifen. Ich kann besser einschätzen, was welches Kind braucht und wie die einzelnen Individuen auf zum Beispiel ein „Nein, heute nicht.“ reagieren.

Vor allem die Verständigung war anfangs eine Herausforderung. Trotz der Sprachbarriere gelang es mir zwar relativ schnell eine Beziehung zu vielen der Kindern aufzubauen, aber mit der Sprache kam auch das Vertrauen und eine Leichtigkeit, die mit Händen und Füßen und lediglich Bruchstücken Russisch oft gefehlt hat.  Mit jedem Wort Russisch, das dazu gelernt wurde, funktionierte die Verständigung nicht besser, denn gut war sie von Anfang an, sondern schneller und flüssiger.

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Die Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen im Zentrum zeigt mir außerdem immer wieder, welchen Wert Zuverlässigkeit und verantwortungsvolles Verhalten haben. Kindern ist es egal, wie intelligent oder lustig oder sportlich man ist, solange man kontinuierlich da ist und Versprechen, betreffen sie auch nur so etwas Banales wie Hausaufgabenhilfe, hält. Es braucht eine Weile bis Vertrauen darin besteht, dass die Aussage: „Heute ist zum Tuschen keine Zeit mehr, wir machen das morgen Vormittag.“ wirklich bedeutet, dass am nächsten Morgen die Wassermalfarben herausgeholt werden.

Eine positive Entwicklung, die ebenfalls mit der Sprache entstand ist, dass der Umgang mit den Erzieherinnen und Erziehern des Heimes weitaus vertrauter wurde. In den ersten Monaten hieß die Sprachbarriere, dass man sich zwar lächelnd begrüßte, aber es nicht möglich war mehr zu tun, als aneinander vorbeizuarbeiten. Inzwischen unterhalte ich mich regelmäßig mit den Mitarbeitern. Ich weiß von den meisten, wie lange sie schon im Heim arbeiten, ob sie Kinder haben und zu welchem ihrer Schützlinge die Beziehung besonders gut ist. Obwohl unsere Arbeit an sich dennoch gleichgeblieben ist und die Zuständigkeitsbereiche weiter wie vorher klar definiert sind, macht jede Unterhaltung die Atmosphäre im Heim ein bisschen sonniger.

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Mein Ziel für die letzten Wochen meines Freiwilligendienstes ist es, den Alltag hier in Bischkek in vollen Zügen auszukosten. Ich will versuchen, möglichst viel Zeit im Heim zu verbringen und noch ein paar letzte Bastel- und Malaktionen zu starten und gemeinsam mit „meinen“ Kindern das Sommerwetter zu genießen. Zugegebener Weise tue ich mich schwer damit, mich schon so bald verabschieden zu müssen. Allerdings hat jeder Freiwilligendienst ein Ende und das Zurückkommen gehört genauso dazu wie das Ankommen und alles dazwischen. Ich weiß, dass ich viel gelernt habe in diesem Jahr und auch in den letzten Wochen noch versuchen will so viel wie möglich zu lernen und mitzunehmen.

Warum Kirgistan mein Herz berührt – Kara-Balta

Freundschaft fürs Leben- die habe ich hier gefunden.

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Das erste Mal war ich September letzten Jahres in Kara-Balta. Meine Mitfreiwillige und ich fuhren damals, an unserem ersten Wochenende in diesem Land, ganz spontan in die mittelgroße Stadt im Norden Kirgistans. Eine ehemalige Freiwillige hatte uns die Telefonnummer von Tynara, einer Sprachlehrerin aus Kara-Balta, gegeben, die vor einigen Jahren als Au-Pair in Deutschland gewesen war. „Schreibt ihr einfach, ruft sie an. Sie lädt euch bestimmt ein und freut sich eure Bekanntschaft zu machen.“, hieß es damals. Es für war uns beide untypisch, aus dem Blauen heraus mit jemandem wildfremden einfach Kontakt aufzunehmen und hätten unsere Mitbewohner nicht das erste Wochenende mit ihrer Einsatzstelle am Issyk-Kul verbracht, hätten wir unsere Freunde und Bekannten in Kara-Balta wohl nie kennengelernt. Mit dem Gedanken im Hinterkopf, die Zeit im neuen Land nicht alleine zu zweit in Bischkek absitzen zu wollen, meldeten wir uns bei Tynara, die uns sofort einlud. Mehr über diesen ersten Ausflug ist in einem meiner früheren Einträge bunt, laut, fröhlich und satt zu lesen.

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Anfang Dezember kehrten wir für einen zweiten Besuch zurück nach Kara-Balta, diesmal zu acht. Kirgisische Gastfreundschaft: acht fast fremde deutsche Freiwillige für ein Wochenende einzuladen, unterzubringen, zu bekochen und bespaßen.

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Tynara, wollte uns ihre Kultur näher zeigen und so filzten wir, ritten, tranken Vodka in den winterlichen Bergen, tanzten zu den Klängen kirgisischer und russischer Musik in die Nacht hinein, besuchten eine Schamanin, tranken viel Tee und aßen viel zu viel zu viel.

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Bei unserem Besuch im Dezember hatte die Schamanin mir angeboten, sie könne meine chronischen Kopfschmerzen behandeln und ich dürfte für den Verlauf der Woche in ihrem Gästezimmer wohnen. Auf diese Einladung hin machte ich mich im Januar bei minus 25 Grad das erste Mal alleine auf nach Kara-Balta. Als ich ankam erfuhr ich, dass die Heizung der Schamanin ausgefallen sei und es besser wäre, wenn ich wo anders unterkäme.

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So landete ich bei Aygul, der alleinstehenden Tante Tynaras. Nach der morgendlichen „Massage“/Folter der Schamanin verbrachte ich die Tage mit Aygul, indem ich in ihrer Sprachschule aushalf, von ihr kirgisische und russische Gerichte kochen lernte, mit ihr Tee trank und quatschte.

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Und so begannen regelmäßige Besuche nach Kara-Balta. Alle zwei/drei Wochen verbringe ich Zeit mit Aygul, die mich inzwischen scherzhaft ihre Gasttochter nennt. Ich war zusammen mit Aygul auf Familiengeburtstagen und einer Hochzeit und Konzerten. Ich bin jeder Zeit bei ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn in Bischkek willkommen und als ich Besuch von meiner Mutter aus Deutschland hatte, zeigte Aygul auch ihr, was kirgisische Gastfreundschaft bedeutet. Meinen 20. Geburtstag vor einigen Wochen habe ich ebenfalls nicht nur in Bischkek, sondern auch in Kara-Balta gefeiert – mit Freunden und (kirgisischer) Familie.

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Ich habe vor Kirgistan in der Zukunft oft zu besuchen. Falls mich die Berge nicht rufen, dann die unglaublich schönen Seelen, die ich hier kennenlernen durfte.

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Ein kleiner Denkanstoß

Normaler Weise berichte ich in diesem Blog über meinen Freiwilligendienst und nutze diese Plattform, um darüber zu schreiben, wie unglaublich schön Kirgistan ist. Ich teile meine eigenen subjektiven Erfahrungen – nicht mehr und nicht weniger. Ich glaube fest daran, dass jede Kultur weder besser noch schlechter ist als andere. Manchmal ist sie sehr anders, manchmal ähnlich und manchmal fühlt man sich wohl in dieser Andersheit oder Ähnlichkeit und manchmal ist sie einem zu fremd oder eben zu vertraut.

Meiner Erfahrung nach erlernt und erfährt man eine neue Kultur, indem man das, was man sieht, hört, schmeckt, riecht und fühlt vergleicht, mit dem, was man bis dahin kennt. Selbst wenn man versucht, ausschließlich zu erfahren und beobachten, gelingt es nicht immer, Wertung und unbewusstes Parallelen ziehen zu vermeiden.

So habe ich in jeder Kultur, in der ich bisher leben durfte, klare Rollenbilder erfahren. Die Gesellschaft im mittleren Westen der USA scheint genauso ungeschriebene Regeln und Ideen zu haben, was es heißt eine Frau, ein Mädchen, ein Junge, ein Mann, homosexuell, heterosexuell, transsexuell, asexuell, gläubig oder nicht usw. zu sein, wie die kirgisische Gesellschaft oder die deutsche. Abhängig von jedem Individuum in seiner jeweiligen Gesellschaft, scheinen diese Regeln und Ideen klar oder schwammig definiert, flexibel oder unflexibel, brechbar oder als ständiger Richtwert omnipräsent zu sein. Meiner Erfahrung nach, sind sie manchmal wichtig, manchmal nicht, aber da, im Hintergrund, sind sie immer.

Vor ein paar Wochen habe ich eine Gruppe Kinder im Kindergartenalter bei einem Spiel beobachtet. Die Erzieherin ließ die Mädchen gegen die Jungen auf „Hüpfpferden“ in einem Wettrennen gegeneinander antreten. „Für die Mädchen natürlich das pinke, für die Jungen das blaue Pferd“, wurden die Spielzeuge zugeteilt. Dann begann ein engagiertes Wettrennen, das nicht ohne kleinere Unfälle blieb. Als einer der kleinen Jungen hinfiel, riefen die Zuschauer ihm zu: „Wein nicht! Du bist ein Junge, raff dich auf, mach weiter!“. Als kurze Zeit später eines der Mädchen Bekanntschaft mit dem Boden machte, wurde es mit einer Umarmung und tröstenden Worten aus dem Spiel genommen.

Meine erste Reaktion auf diese Szene war Empörung. Nach kurzem Nachdenken realisierte ich, dass diese Situation genauso gut in Deutschland, genauso gut in den USA hätte stattfinden können und so oder ähnlich wohl in jedem Land dieser Welt immer wieder stattfindet. Ich kann an meine eigene Kindergartenzeit zurückdenken. Ich denke an meine Schwester, die dafür kritisiert wurde, dass sie lieber auf Bäume kletterte als mit Puppen spielte. Ich erinnere mich daran, wie mein Bruder – oft weiser als ich – sich echauffierte, warum sich nur die Mädchen hübsch machen dürften mit Kleider und Haarreifen. Um der Gerechtigkeit Willen trug er als Reaktion auf diese Realisierung am nächsten Tag eines meiner Kleider in den Kindergarten. An der amerikanischen High-School, die ich besuchte spielten nur die Jungen Football, nur die Mädchen Volley-Ball und während in meinem Physikkurs nur 2 Mädchen saßen, belegten kaum Jungen den Kochkurs.

Ich teile diese Beobachtungen, weil ich oft nach den Rollenbildern von Mann und Frau hier in Kirgistan gefragt werde. Gäbe es nicht ein klares Bild der Frau, deren Aufgabe es sei den Tee zu kochen und den Mann zu bedienen? Ob ich mich als junge europäische Frau in Kirgistan denn wohl fühle? Ob ich ein Problem mit den kulturellen und gesellschaftlichen Einstellungen hätte?

Die Antwort ist „Ja.“. Ja, in der kirgisischen Gesellschaft als abstraktes Konstrukt, so wie ich sie erleben durfte, gibt es relativ klar definierte Rollenbilder, die zu mindestens einem Teil der Bevölkerung als Vorbild dienen, einem anderen Teil nicht, genauso wie in Deutschland auch, wenn auch das Bild an sich vielleicht ein etwas anderes ist. Ja, ich fühle mich wohl hier, unabhängig von allen gesellschaftlichen Gedanken-Konstrukten. Und ja, ich denke, dass die kulturellen und gesellschaftlichen Einstellungen problematisch sind – allerdings nicht spezifisch die, der kirgisischen Gesellschaft, sondern die weltweit.

Es ist, meiner Erfahrung nach, nicht immer einfach in dieser Welt eine Frau zu sein oder ein Mann oder ein Mensch. Jeder von uns steht unter dem Druck gesellschaftlicher Erwartungen. Unser Selbstbewusstsein, die Wege, die wir einschlagen, mit welchen Entscheidungen wir uns wohl fühlen, was wir und zutrauen- wird beeinflusst von unsichtbaren „Dos und Don´ts“, die wir von Geburt an eingetrichtert bekommen. Es ist fast unmöglich einfach nur Kind zu sein. Stattdessen sind wir Mädchen und Jungen. Wir dürfen miteinander spielen, interagieren, aber die Grenzen bleiben klar abgesteckt: Rosa oder blau, weben oder klettern, tanzen oder Fußball spielen, Puppen oder Autos. Immer wieder ein „oder“, immer wieder eine Grenze.

Natürlich stößt nicht jeder von uns andauernd auf diese unsichtbaren Grenzen. Aber irgendwo beeinflussen sie uns doch. Meiner Erfahrung nach, versuchen die meisten von uns bewusst oder unbewusst einen Platz zwischen diesen Rollen zu finden, indem man sie akzeptiert und sich arrangiert oder eben gerade nicht.

Sonnenschein, Blumen und Kinderlachen

Sommer, Sonne und Ferien für die Kinder Kirgistans. Im Heim liegt dieses Gefühl von Freiheit in der Luft, das nur Sommerferien in einem hervorrufen können. Der Alltag bleibt gleich und ist doch anders.

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Schulen in Bischkek arbeiten mit einem Schichtsystem. Das heißt, dass manche Kinder vormittags Unterricht haben, andere nachmittags. Das spart sowohl Raum als auch Lehrer. Im Heim gehen deshalb ein Teil der Kinder nach dem Frühstück in die Schule und kommen zum Mittagessen wieder und der andere Teil geht nach dem Mittagessen und kommt abends zurück. Für mich als Freiwillige bedeutete dieses System, dass ich sowohl vormittags als auch nachmittags immer mit einer begrenzten Gruppe von Schülern gearbeitet habe und nur abends und an schulfreien Tagen alle auf einmal da waren. Seit dem Anfang der Sommerferien sind immer alle da. Hausaufgaben gibt es nicht mehr, Gespräche über den Schultag auch nicht. Stattdessen werden mehr Ausflüge gemacht. Die Kinder gehen Baden. Die Sonne scheint heller und die Schulrucksäcke im Regal sind nicht mehr als Dekoration.

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Wir genießen das Sommerwetter. Spielen Frisbee, Springen Springseil und Stifte und Papier zum Malen werden mit nach draußen genommen, weil die Sonne zu schön und der Himmel zu blau ist, um drinnen zu bleiben. Die Blumen auf dem Gelände des Heims und in ganz Bischkek liefern sich einen Schönheitswettbewerb und machen die Stadt bunter und blühender. Haare werden heller und Haut wird gebräunter und frisches Obst ist überall präsent. Juni ist vielleicht mein Lieblingsmonat hier in Kirgistan.

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Auch bei einem Ausflug in die nahe gelegenen Berge oder ein Spaziergang durch einen der vielen Parks Bischkeks schwingt eine ganz besondere Magie mit. Die konstante Wärme und der Sonnenschein, zaubern allen ein Lächeln aufs Gesicht.

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Regentage in Bischkek

Frühling in Bischkek bedeutet Regentage in Bischkek – weitaus mehr Regentage zumindest als im Sommer oder Herbst oder Winter. Bis Anfang März habe ich fest an dem Gedanken festgehalten, dass es in Kirgistan so gut wie nie regnet, aber die letzten zwei Monate haben mich eines Besseren belehrt.

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Das Gute ist, ich liebe Regen. Regen ist so gemütlich. Regen bedeutet auch, dass die Stadt jeden Tag grüner wird und man förmlich zusehen kann wie das winterliche Grau verschwindet, Blätter wachsen, Blumen sprießen.

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An Regentagen ist auch die Atmosphäre im Heim eine ganz besondere. Es ist irgendwie ruhiger, gemütlicher. Gemeinsam sitzen wir auf dem Teppich im Zimmer und spielen Karten, rausgehen kann man schließlich nicht wirklich. Oder aber es wird gemeinsam Lego gebaut oder gewebt oder gemalt oder Klavier gespielt.

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Die Straßenhändler trotzen dem Regen. Geschützt von Sonnenschirmen werden weiter Blumen und Obst und Gemüse verkauft. So kann ich heute Abend eingekuschelt in meine Regenbogenkuscheldecke mit einer Tasse Tee die ersten Erdbeeren des Jahres genießen.

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Natürlich regnet es auch im Frühling nicht durchgängig, aber eben häufiger als sonst. Aber öfter noch als Regentage darf ich die warme Sonnenstrahlen und die blühende Stadt genießen. Frühling ist meine Lieblingsjahreszeit und mein Frühling hier in Kirgistan ein besonder schöner.

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Ein Wochenende in Karakol

Schon einige Zeit lang hatten wir uns auf ein Mädels-Wochenende gefreut – ein bisschen mehr vom Land sehen, Zeit miteinanderverbringen und einmal raus aus der Großstadt kommen. So brachen wir am vergangenen Freitagabend auf in Richtung Karakol.

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Karakol ist die viertgrößte Stadt Kirgistans und die Hauptstadt der Issyk-Kul Region. Die Stadt liegt am Ostufer des Issyk-Kuls und ist lediglich 150 km von der kirgisisch-chinesischen Grenze entfernt.

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Unabhängig davon, wo in der Stadt man sich befindet, hat man immer wieder einen spektakulären Blick auf die Gipfel der Berge, die Karakol einkesseln.

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Den  Samstag begannen wir ganz gemütlich mit einem Frühstück in der „Fat Cat“, einem kleinen Café im Zentrum.

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Im Anschluss besichtigten wir die nahegelegene russisch-orthodoxe Kathedrale.

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Die Kathedrale ist nicht nur ein dankbares Fotoobjekt, sondern auch ein wunderschöner und ruhiger Ort, um sich mit einem Buch auf einer der Bänke auf dem Gelände zu entspannen.

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Nach der Besichtigung der Kathedrale und einem kleinen Stadtbummel fuhren wir an den ca. 20 min. entfehrnt gelegenen See.

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Für mich gibt es kaum etwas Schöneres als am Wasser zu stehen und den Wellen zuzusehen. Kirgistan ist das Land, das am weitesten auf der Welt von einem Ozean entfehrnt liegt und regelmäßig packt mich das Meerweh. So war die Zeit am Issyk-Kul, dem zweitgrößten Gebirgssee der Welt, zusammen mit zwei guten Freundinen magisch und wunderschön.

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Mal wieder mit den Füßen durchs Wasser warten, Arm in Arm am Ufer zu stehen und den Blick auf den See und die Berge zu genießen war unbezahlbar.

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Hungrig, müde und sehr glücklich kamen wir abends wieder in der Stadt an und brachten den Tag mit einem Abendessens aus zentralasiatischen Gerichten wie Lagman (Nudel-Gemüse-Fleisch-Gericht) und Gan-Fan (Reis-Gemüse-Fleisch) zu Ende.

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Am Sonntagmorgen fuhren wir dann auf den Tiermarkt, der wöchentlich stattfindet und einer der größten Kirgistans ist. Das Basargelände ist ca. 2 km vom Zentrum entfehrnt und gut mit der Maschrutka (außgebaute Mercedessprinter, die als öffentliche Verkehrsmittel dienen) oder auch zu Fuß erreichbar.

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Der Markt fängt gegen Mitternacht in der Nacht von Samstag auf Sonntag an und ist gegen zwölf Uhr mittags am nächsten Tag zu Ende. Man findet Kühe, Schafe und Pferde sowie Reitzubehör. Wir selber haben das Ende des Marktes am Sonntagvormittag mitbekommen, an dem das große Treiben und Feilschen, für das der Basar bekannt ist, bereits vorbei war. Der Besuch hat sich aber trozdem mehr als gelohnt und wir konnten beobachten, wie die Tiere nach und nach auf Anhänger und in Kofferräume (Schafe) geladen wurden und sich das Gelände immer mehr lehrte.

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Nach einem abschließenden Spaziergang durch die Stadt brachen wir dann auf, zurück nach Bischkek.

Nowruz – Frühling in Bischkek

Es ist Frühling in Bischkek. Nach vielen Regengüssen und den ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres wird die Stadt endlich wieder grün.

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Nowruz – das kirgisische Neujahr, das auch in Persien, dem Kaukasus und in ganz Zentralasien gefeiert wird, markiert den Übergang zwischen den kalten Tagen des Winters und der neugefundenen Wärme des Frühlings. Ich hatte das Glück, den Feiertag mit kirgisischen Freunden auf dem Land verbringen zu können.

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Vor ein paar Monaten wurde ich von Aygul, einer unglaublich lieben und taffen Dame Anfang sechzig, zu ihrer „Gasttochter“ ernannt. Aygul wohnt in Kara-Balta, einer Kleinstadt, die ca. eine Stunde von Bischkek entfernt liegt. Am Morgen des 21.03. fuhren wir gemeinsam von dort aus in ein kleines Dorf, in dem sie früher gelebt und als Lehrerin gearbeitet hatte.

Die Feierlichkeiten fanden auf dem Gelände der Schule statt. Dort führten Schüler, zwischen Ansprachen und Livemusik, traditionelle Tänze vor und es wurden Spiele wie Tauziehen oder Wettrennen gespielt. Nachdem das Programm sein Ende gefunden hatte, wurde in den Klassenzimmern im Familien- und Freundeskreis gegessen, getrunken, gesungen und gelacht.

Es gab Borsok (frittierte Teigstückchen) und Plow (zentralasiatisches Reisgericht), die vorher in großen Töpfen für alle zubereitet wurden. Außerdem wurden Salate, selbstgemachte Pferdewurst, Obst, Süßigkeiten und Tee bereitgestellt.

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Mit Nowruz feiert man das Ende des Winters und den Beginn eines neuen Erntejahres. In Kirgistan ist, neben dem Feiern und Essen mit Familien und Freunden, das Kochen von Sümölök eine wichtige Tradition. Sümölök ist eine Art Brei aus Weizen, der im Familienkreis draußen über Feuer gekocht wird. Das Kochen von Sümölök nimmt 24 Stunden in Anspruch. In den ersten paar Stunden muss konstant gerührt werden. Dazu versammeln sich Familie und Gäste um das Feuer und unter Gesprächen und Wünschen fürs neue Jahr wird sich mit dem Rühren abgewechselt. Traditionell befinden sich sieben Wallnüsse und sieben Steine im Topf.

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Ich habe es sehr genossen, Nowruz auf diese Art und Weise zu verbringen und vom Kochen des Sümölöks am Vorabend bis zu den Feierlichkeiten am nächsten Tag mitfeiern zu dürfen. Nun bin ich vollends im Frühling angekommen.

Christmas Lights

Weihnachten ist schon seit drei Wochen vorbei. Neujahr und das russisch-orthodoxe Weihnachtsfest am 07. Januar sind ebenfalls verstrichen. Trotzdem ist ein Großteil der Stadt, der Straßen und Busse und Cafés immer noch geschmückt.

Gestern habe ich mich schon wieder dabei erwischt, viel zu viele Fotos von den bunten Weihnachts- und Neujahrslichtern zu schießen. Deshalb hier ein paar Eindrücke des festlichen Bischkek:

Ala-Too Square bei Tag

und bei Nacht

Die Manas Statue

Busfahrten durch den Dezember

Ein Tannenbaum darf auch nicht fehlen

Das Heim war voll geschmückt

Kunstvolle Fensterbemalungen verschönerten nicht nur die Busfahrten

Die Brücken, Bäume und Parks leuchten

Und das bin ich, wie ich absolut glücklich über die Lichter und den Schmuck und die festliche Stimmung und natürlich meine absolut geniale Mütze bin.

Bischkek ist eine wunderbare Stadt und inzwischen ein zweites Zuhause für mich. Das festliche Bischkek macht mich nur noch glücklicher und verliebter als ich sowieso schon bin. Vor allem die kreativ geschmückten Busse und Maschrutkas haben mir den Dezember versüßt und mich immer wieder zum schmunzeln gebracht.

Rund ums Essen

Wo kauft ihr eure Lebensmittel ein?

Zwischen der Bushaltestelle und unserer Wohnung ist ein kleiner Lebensmittelbasar. Vor dem Basar sind außerdem immer Straßenstände aufgebaut, an denen Obst, Gemüse, Eier und ein paar andere Kleinigkeiten angeboten werden.  Obst und Gemüse, Eier und Brot kaufen wir dort. Den Rest, das heißt Butter, Milch, Joghurt usw. kaufen wir in der Filiale einer lokalen Supermarktkette, die sich fast direkt vor unserer Haustür befindet.

Wo kann man in Bischkek besonders gute Lebensmittel kaufen?

Am besten lassen sich Lebensmittel vor allem Obst, Gemüse und das lokal typische Brot auf den Basaren, ob den großen wie dem Osh-Basar oder kleineren marktähnlichen, wie dem bei uns in der Straße, kaufen. Den Rest findet man in der Regel auch da, obwohl sich zum Beispiel für Milchprodukte auch die Supermärkte eignen. Die Supermärkte haben in der Regel rund um die Uhr an allen Wochentagen auf. Die Basare und Märkte nur tagsüber.

Wie steht es mit regionalem Obst und Gemüse?

Es gibt reichlich lokales Obst und Gemüse. Von Äpfeln, über saftige Pfirsiche, Melonen, Beeren bis hin zu Kürbis, Möhren, Auberginen und Vielem mehr. Überall lassen sich auch importierte Bananen und im Winter ebenfalls importierte Kiwis und Ananas kaufen. Wie die meisten nicht abgepackten Lebensmittel, stammen Obst und Gemüse in der Regel von den Feldern und Bauernhöfen im eigenen Land.

Die Hauptsaison ist die warme Jahreszeit, das heißt von April bis Oktober. Im Winter ist das Obst und Gemüse teurer. Die riesigen oft usbekischen Wassermelonen, für die man im Sommer umgerechnet keine 50 Cent bezahlt, verschwinden von den Verkaufstischen. Citrusfrüchte und Lagerfähiges wie Möhren und Äpfel lassen sich hingegen im Winter sehr gut kaufen. Wallnüsse findet man in Kirgistan, welches die größten Wallnusswälder der Welt beherbergt, natürlich zu jeder Jahreszeit.

Wie kocht ihr? Was kocht ihr?

Wir kochen als WG in unserer kleinen Küche mit Gasherd. Anfangs haben wir fast täglich frisch gekocht und Gebrauch von dem sommerlich günstigen und frischen Obst und Gemüse gemacht. Mit dem Winter und dem Sprachkurs, durch den wir drei Tage die Woche erst um 20 Uhr zu Hause sind, sind wir leider ein bisschen fauler geworden und neigen öfter mal zu einfach Brot und Nudeln. Zwei- bis Dreimal die Woche kochen wir allerdings immer noch frisch. Die gemeinsamen Stunden, die wir schon schnippelnd und lachend miteinander in der Küche verbracht haben, gehören sicherlich zu den schönsten des WG-Lebens.

Gibt es kirgisische Restaurants, in denen ihr Essen geht? Was gibt es in kirgisischen Restaurants? Wie sieht die kirgisische Küche aus?

Es gibt natürlich kirgisischen Restaurants. Viele sind im Familienbesitz und es gibt eine bekannte Kette, die in mehren über die Stadt verteilten Filialen typisch kirgisischen Küche anbietet.

Typisch kirgisisch bedeutet das, was man auch als Gast in kirgisischen Familien angeboten bekommt. Dort gilt vor allem eines: Hauptsache jeder wird satt. Kirgisische Freunde haben uns erzählt, dass im Kirgisischen gesagt wird, jeder habe zwei Mägen und wichtig sei, beide zu füllen. In der Regel füllen einen „typisch“ kirgisischen Tisch verschiedene Salate, die manchmal auch Fleisch enthalten, Borsok, d.h. luftige frittierte Teigstückchen, Obst und Süßes. Oft bekommt man Suppe angeboten und häufige Hauptgerichte sind Plow (Reis mit Fleisch und Gemüse), Besch Barmak (lange Nudeln, Fleischstücke und Zwiebeln) und das dunganische und uigurische Lagman (Nudeln und Gemüse mit Fleisch). Beliebt sind auch russische Gerichte wie Hering im Pelzmantel oder Borscht. In jedem kirgisischen Restaurant und den meisten kirgisischen Familien bekommt man auch vergorene Stutenmilch angeboten.

Wie viel Trinkgeld sollte man geben?

Trinkgeld wird, da die Löhne eher niedrig sind, gerne angenommen. Taxifahrer und Frisöre erwarten kein Trinkgeld. In den internationalen Cafés und Restaurants in Bischkek werden einem oft 5-15 Prozent Trinkgeld pauschal angerechnet. In Restaurants, in denen dies nicht der Fall ist, macht man mit ca. 10 Prozent sicherlich nichts falsch.

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