Rund ums Essen

Wo kauft ihr eure Lebensmittel ein?

Zwischen der Bushaltestelle und unserer Wohnung ist ein kleiner Lebensmittelbasar. Vor dem Basar sind außerdem immer Straßenstände aufgebaut, an denen Obst, Gemüse, Eier und ein paar andere Kleinigkeiten angeboten werden.  Obst und Gemüse, Eier und Brot kaufen wir dort. Den Rest, das heißt Butter, Milch, Joghurt usw. kaufen wir in der Filiale einer lokalen Supermarktkette, die sich fast direkt vor unserer Haustür befindet.

Wo kann man in Bischkek besonders gute Lebensmittel kaufen?

Am besten lassen sich Lebensmittel vor allem Obst, Gemüse und das lokal typische Brot auf den Basaren, ob den großen wie dem Osh-Basar oder kleineren marktähnlichen, wie dem bei uns in der Straße, kaufen. Den Rest findet man in der Regel auch da, obwohl sich zum Beispiel für Milchprodukte auch die Supermärkte eignen. Die Supermärkte haben in der Regel rund um die Uhr an allen Wochentagen auf. Die Basare und Märkte nur tagsüber.

Wie steht es mit regionalem Obst und Gemüse?

Es gibt reichlich lokales Obst und Gemüse. Von Äpfeln, über saftige Pfirsiche, Melonen, Beeren bis hin zu Kürbis, Möhren, Auberginen und Vielem mehr. Überall lassen sich auch importierte Bananen und im Winter ebenfalls importierte Kiwis und Ananas kaufen. Wie die meisten nicht abgepackten Lebensmittel, stammen Obst und Gemüse in der Regel von den Feldern und Bauernhöfen im eigenen Land.

Die Hauptsaison ist die warme Jahreszeit, das heißt von April bis Oktober. Im Winter ist das Obst und Gemüse teurer. Die riesigen oft usbekischen Wassermelonen, für die man im Sommer umgerechnet keine 50 Cent bezahlt, verschwinden von den Verkaufstischen. Citrusfrüchte und Lagerfähiges wie Möhren und Äpfel lassen sich hingegen im Winter sehr gut kaufen. Wallnüsse findet man in Kirgistan, welches die größten Wallnusswälder der Welt beherbergt, natürlich zu jeder Jahreszeit.

Wie kocht ihr? Was kocht ihr?

Wir kochen als WG in unserer kleinen Küche mit Gasherd. Anfangs haben wir fast täglich frisch gekocht und Gebrauch von dem sommerlich günstigen und frischen Obst und Gemüse gemacht. Mit dem Winter und dem Sprachkurs, durch den wir drei Tage die Woche erst um 20 Uhr zu Hause sind, sind wir leider ein bisschen fauler geworden und neigen öfter mal zu einfach Brot und Nudeln. Zwei- bis Dreimal die Woche kochen wir allerdings immer noch frisch. Die gemeinsamen Stunden, die wir schon schnippelnd und lachend miteinander in der Küche verbracht haben, gehören sicherlich zu den schönsten des WG-Lebens.

Gibt es kirgisische Restaurants, in denen ihr Essen geht? Was gibt es in kirgisischen Restaurants? Wie sieht die kirgisische Küche aus?

Es gibt natürlich kirgisischen Restaurants. Viele sind im Familienbesitz und es gibt eine bekannte Kette, die in mehren über die Stadt verteilten Filialen typisch kirgisischen Küche anbietet.

Typisch kirgisisch bedeutet das, was man auch als Gast in kirgisischen Familien angeboten bekommt. Dort gilt vor allem eines: Hauptsache jeder wird satt. Kirgisische Freunde haben uns erzählt, dass im Kirgisischen gesagt wird, jeder habe zwei Mägen und wichtig sei, beide zu füllen. In der Regel füllen einen „typisch“ kirgisischen Tisch verschiedene Salate, die manchmal auch Fleisch enthalten, Borsok, d.h. luftige frittierte Teigstückchen, Obst und Süßes. Oft bekommt man Suppe angeboten und häufige Hauptgerichte sind Plow (Reis mit Fleisch und Gemüse), Besch Barmak (lange Nudeln, Fleischstücke und Zwiebeln) und das dunganische und uigurische Lagman (Nudeln und Gemüse mit Fleisch). Beliebt sind auch russische Gerichte wie Hering im Pelzmantel oder Borscht. In jedem kirgisischen Restaurant und den meisten kirgisischen Familien bekommt man auch vergorene Stutenmilch angeboten.

Wie viel Trinkgeld sollte man geben?

Trinkgeld wird, da die Löhne eher niedrig sind, gerne angenommen. Taxifahrer und Frisöre erwarten kein Trinkgeld. In den internationalen Cafés und Restaurants in Bischkek werden einem oft 5-15 Prozent Trinkgeld pauschal angerechnet. In Restaurants, in denen dies nicht der Fall ist, macht man mit ca. 10 Prozent sicherlich nichts falsch.

Fragen aus der Heimat

“Wie war deine erste Begegnung mit den Kindern des Heims? Wie haben sie auf dich reagiert und du auf sie?“

Meine erste Begegnung mit den Kindern des Heims war an meinem zweiten Tag in Kirgistan. Unsere Vorfreiwilligen mussten leider vor unserer Ankunft abreisen, sodass wir sie nicht mehr kennen lernen konnten. Glücklicherweise war während unserer ersten Tage im Land eine ehemalige Freiwillige zu Besuch, die uns dann die Stadt und auch das Heim zeigen konnte.

In den Augen vieler Kinder waren wir bei unserer ersten kleinen Führung durch das Heim glaube ich nur ein paar Leute, die halt im Gebäude rumgelaufen sind und denen man keine große Beachtung schenken muss. Ein paar Kinder kamen auf uns zu und wollten wissen, wer wir sind und waren dann sehr schnell dabei uns die Englischkenntnisse, die sie hatten zu präsentieren. Ich erinnere mich, dass ich sehr aufgeregt war, während dieses ersten Besuches, aber auch sehr erleichtert, weil klar wurde, dass die Sprachbarriere zwar da war, aber nicht unmöglich zu überwinden.

Die ersten Wochen waren einfach aber doch schwierig. Viele der älteren Kinder waren – teilweise bis vor einem Monat noch – mir und meiner Mitfreiwilligen gegenüber sehr reserviert und verschlossen. Die ganz kleinen, d.h. die zwei- bis sechsjährigen haben mir ehrlicher Weise ein wenig Angst eingejagt und mich ein wenig überfordert. Sie waren sehr kontaktfreudig. Einerseits wollten gefühlte zehn Kleinkinder gleichzeitig, dass man sie auf den Arm nimmt, und andererseits haben weitere fünf versucht mich auf die Palme zu treiben und auf negative Art und Weise zum Beispiel durch schlagen meine Aufmerksamkeit zu erlangen.

Die „mittleren Kinder“, d.h. diejenigen, die im Grundschulalter sind und mit denen wir die meiste Zeit verbringen, waren größtenteils offen uns gegenüber, haben gleichzeitig aber auch versucht unsere Grenzen auszutesten und uns dazu zu bringen, genau das zu tun, das zu spielen, was sie genau jetzt in diesem Moment von uns wollen.

Unsere erste Begegnung und die ersten Wochen waren so zwar sehr positiv und es hat unglaublich viel Spaß gemacht, alle kennen zu lernen, aber es hat definitiv seine Zeit gedauert, eine wirkliche Beziehung und Vertrauen aufzubauen. Es gab dabei natürlich von Kind zu Kind und von Altersgruppe zu Altersgruppe andereHerausforderungen und Barrieren zu überwinden.

„Inwiefern hat sich die Begegnung verändert? Wie ist es, wenn du heute ins Kinderheim kommst? Reagieren sie jetzt anders auf dich und reagierst du jetzt anders auf sie?“

Wenn ich heute ins Heim komme, dann werde ich teilweise schon draußen mit Klopfen ans oder Rufen aus dem Fenster des Jungs Zimmers, welches den Eingang überblickt, begrüßt. Die Mitarbeiter und die älteren Kinder grüßen mich und spätesten im Treppenhaus umarmt mich das erste Grundschulkind. Selbst die Allerkleinsten wissen inzwischen meinen Namen, und können meine Mitfreiwillige und mich inzwischen auseinanderhalten.

Einer der sechzehnjährigen Jungen hat angefangen uns mit einem für uns reservierten Handschlag zu begrüßen und selbst die jugendlichen Mädchen begrüßen uns seit Anfang des Monats. Bis wir mit zwei von ihnen den Weihnachtsmarkt der deutschen Botschaft besucht haben, waren gerade diese noch sehr reserviert uns Freiwilligen gegenüber.

Ich freue mich inzwischen genauso sehr alle Kids zu sehen, wie sich viele von ihnen freuen, mich zu sehen. Ich weiß genau, an welcher Stelle ich „Nein“ sagen muss und an welcher ich problemlos nachgeben kann. Die Kinder respektieren mich einerseits weitaus mehr als Autoritätsperson als am Anfang, nennen mich andererseits auch inzwischen ihre Freundin und öffnen sich mir gegenüber, wenn sie Probleme haben, oder vertrauen mir an, wenn sie verliebt sind.

Ich bin jeden Tag wieder überrascht und dankbar über die Beziehung, die Verbindung und das Vertrauen, die die Kinder des Heims und ich inzwischen miteinander haben.

Infos und über den Tanz ins neue Jahr

Die Infos:

Mein Sprachgefühl ist momentan komplett durcheinander. Russisch mischt sich mit Englisch und Englisch mit Deutsch und umgekehrt. Das ist natürlich gut und wunderbar. Ich bin jeden Tag besser in der Lage Russisch zu reden und außerhalb der WG verständige ich mich hauptsächlich auf Englisch, falls mein Russisch dann doch nicht ausreicht. Das eigentlich nur als kleine Bemerkung vorne weg. Eventuell schleichen sich in meine Einträge ein paar Sätze mit englischem Satzbau ein und vielleicht werde ich in der Zukunft auch ein paar Einträge komplett auf Englisch veröffentlichen – der Einfachheit halber.

Und da mich immer wieder eine Menge Fragen aus der Heimat erreichen habe ich mich nach einem kleinen Stupser vom Dornröschen-Wolle-Team dazu entschieden, jeden zweiten Donnerstag ein paar „Fragen aus der Heimat“ zu beantworten. Der erste Eintrag dieser Rubrik wird bereits morgen zu lesen sein.

Über den Tanz ins neue Jahr:

Nach dieser kleinen Infobox wünsche ich allen ein wunderschönes und großartiges Neues Jahr!

Sylvester und damit auch das kirgisische Weihnachten habe ich gemeinsam mit meiner Mitfreiwilligen und mit den Kindern im Heim verbracht.

2018 hätte nicht besser beginnen können. Tanzend zu russischer Musik und unter Kinderlachen verstrichen die letzten Minuten des alten und die ersten Minuten des Neuen Jahres.

Der Tanz- und Veranstaltungsraum wurde erst für Spiele und später dann als Disko genutzt. Gemeinsam mit Kleinsten und den Ältesten wurden „Reise nach Jerusalem“ und andere Gruppenspiele gespielt. Zwei ehemalige Heimjungen, die inzwischen als junge Erwachsene immer noch aushelfen, waren Weihnachtsmann und DJ. Die Mädchen hatten die Chance ihre schönsten Ballkleider zu tragen. Ein Betreuer, der eigentlich frei hatte, verbrachte sein Neujahr trotz dessen, wie auch die zehn Jahre zuvor, mit „seinen“ Kids. Die Betreuer, die arbeiten mussten, bekamen ein kleines Weihnachtsgeschenk von den Kindern.

Nach den Spielen gab es ein kleines Festmahl und dann Feuerwerk. Daraufhin gingen die Kleinen ins Bett und die Älteren tanzten gemeinsam mit uns ins neue Jahr hinein.

Ich bin unglaublich dankbar für dieses unglaublich schöne und einmalige Sylvester, das ich nicht anders hätte verbringen mögen.

Weihnachten und Winter

Die Zeit fliegt vorbei. Der Dezember neigt sich dem Ende zu. 2018 klopft an der Tür.

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Wir haben inzwischen Winter in Bischkek. Schnee bedeckt die Dächer der Häuser, die Bäume und Grünstreifen. Auf den Bürgersteigen droht man auszurutschen, weil sie von einer Eisschicht bedeckt sind, die zum Schlittschuhlaufen geeignet wäre.

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Die Weihnachtszeit ist in vollem Gange. Die Stadt leuchtet und blinkt. Väterchen Frost kommt in Kirgistan am 31. Januar. Der 24. Dezember ist, außer man ist deutscher Freiwilliger, ein Tag wie jeder andere auch.

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Wir haben Weihnachten gemeinsam in kleiner und gemütlicher Runde gefeiert und auf dem Weihnachtsmarkt der deutschen Botschaft mit Glühwein und Plätzchen in Nostalgie geschwelgt.

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Das neue Jahr werden meine Mitfreiwillige und ich gemeinsam mit den Kindern im Heim einläuten. Dort gab es bereits eine kleine Neujahrsfeier, auf der die Kinder von Spendern beschenkt wurden. Es wurde getanzt gesungen und gelacht. Über die letzten Wochen wurde auch das Zentrum fleißig geschmückt und Weihnachtskarten gebastelt. Die Vorfreude auf 2018 ist groß.

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Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht

Charlotte

Natur

See, Berge und Canyon, Wandern, Ausritt und Strandspaziergang – alles an einem Wochenende.

Wer jemals in der „Schweiz Zentralasiens“ war oder Fotos gesehen hat, der weiß, dass Kirgistan landschaftlich nicht nur wunderschön, sondern auch facettenreich ist. So haben wir, das heißt fünf andere Freiwillige und ich, das lange Wochenende Anfang November genutzt, um der Großstadt zu entfliehen. Ziel war Bokonbaevo, eine Zehntausendeinwohnerstadt am Südufer des Issyk Kuls.

Schon auf der vierstündigen Maschrutkafahrt am Samstagmorgen wünschte ich mir, Gefühle ließen sich einfangen. Durch die Regentropfen an den Fensterscheiben verfolgte ich den Weg, der zwischen Bergen hindurch, zunächst an der kasachischen Grenze, dann am Seeufer entlang ging.

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Nach der Ankunft gelang es uns, ein gemütliches und familiäres Hostel, etwas abseits des Zentrums, zu finden. Eine Jurte im Garten, ständiger Nachschub an Tee und warme, von der Hausmutter frisch zubereitete, Mahlzeiten versüßten uns den Aufenthalt.

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Den ersten Nachmittag nutzten wir, die Stadt zu erkunden. Bokonbaevo ist klein, im Vergleich zu Bischkek sehr ländlich. Der Basar besteht aus nicht mehr als einer Handvoll an Ständen, im Vorbeigehen grüßt man sich.

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Unsere Entdeckungstour führte uns letzendlich zu einem Friedhof, der außerhalb der Stadt, erhöht auf einem Hügel, gelegen ist. Der herbstliche Nieselregen und die beginnende Abenddämmerung trugen zur düsteren Atmosphäre bei, die Gräber schienen stillschweigend auf den See, die Berge und die Stadt hinabzuschauen.

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Strahlender Sonnenschein und glasklare Sicht begleiten uns hingegen bei unserem Ausflug zum Skazka Canyon am nächsten Tag. Nicht ohne Grund wird dieser im Englischen als „Fairy Tale Canyon“ bezeichnet. Die orangeroten Sandsteinfelsen erwecken den Eindruck, man befände sich nicht in Kirgistan, sondern in Arizona oder Colorado. Bei einer kleinen Kletter- oder Wandertour durch den Canyon erwarten Einen märchenhaft geformte Felsen und eine atemberaubende Aussicht auf den Issyk Kul.

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Einen ebenso atemberaubenden Ausblick durften wir auch auf unserer Reittour am folgenden Tag genießen. Auf Pferderücken erklommen wir einen ca. 2000 Meter hohen Berg, sahen schneebedeckte Gipfel und ritten durch steppenartiges Tal.

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Nach einem kurzen Bad im winterlich kalten See ging es dann am Dienstagabend zurück nach Bischkek.

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Abschließend lässt sich nur sagen, dass ich mich unglaublich glücklich schätze, gemeinsam mit meinen Mitfreiwilligen, die ich inzwischen unsagbar liebgewonnen habe, vier tolle Tage verbracht zu haben.

Infobox:

Der Issyk Kul (oder Yssykköl) ist mit 6236 Quadratkilometern Fläche der zweitgrößte Gebirgssee der Welt.  Übersetzt heißt Issyk Kul so viel wie „warmer See“. Er liegt ca. 1600 m über dem Meeresspiegel und „warm“ ist er im November natürlich nicht unbedingt. Der Name rührt daher, dass der See auch bei -20 Grad im Winter nicht gefriert. Er ist umgeben von der Bergkette des Kungej- Alatau im Norden und des Terskej-Alatau im Süden.

home is where the heart is

 Wie wahr! Inzwischen ist Bischkek genau das für mich geworden: mein Zuhause.

Der Weg zur Arbeit, zum Supermarkt, zur Sprachschule ist mehr als vertraut und Maschrutka (ausgebaute Mercedessprinter, die als öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden) fahren ist mittlerweile kein Abenteuer mehr, sondern zum Automatismus geworden. Die Mitarbeiter im Coffeeshop um die Ecke, am Gemüse- und Brotstand und im Supermarkt sind mir vertraute Gesichter.

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Auf der Arbeit kenne ich inzwischen die Namen aller Kinder und weiß von den Meisten wie alt und wer ihre Geschwister und Freunde sind.  Ich verstehe immer mehr Russisch (u.a. dank einer sehr engagierten Sprachlehrerin und den Kindern im Heim) und es ist ein unglaublich schönes Gefühl, sich inzwischen in Alltagssituationen wie beim Restaurantbesuch, beim Einkaufen oder in der Maschrutka, einigermaßen und ohne großes Stottern und hilflose Blicke auf Russisch verständlich machen zu können.

Die WG wachsen wird immer mehr zu einer kleinen Familie, und meine Mitfreiwillige kann ich inzwischen meine Freundin nennen.

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Ich befinde mich also im ganz normalen Leben angekommen. Der Alltag ist ebendas: Alltag. Es ist keine Herausforderung mehr Einzukaufen oder von A nach B zu kommen. Der Prozess bis zu diesem Punkt war unglaublich schön und spannend und ist selbstverständlich noch nicht abgeschlossen. Trotz dessen ist es mindestens ein genauso gutes Gefühl langsam aber sicher anzufangen, ein wirkliches Leben hier zu leben, Kontakte aufzubauen, die über die Arbeit und andere deutsche Freiwillige hinausgeht, Hobbies wie Yoga zu finden und immer weiter einzutauchen und sich einzulassen auf dieses wunderschöne Land und seine Kultur.

Mein Projekt – Eindrücke aus den ersten Wochen im Zentr reabilitazii detei i molodjoshi

Seit über einem Monat arbeite ich nun schon in meinem Projekt im Zentr reabilitazii detei i molodjoshi, einem Heim für Straßen- und Waisenkinder, hier in Bischkek. Seit über einem Monat versuche ich außerdem, die richtigen Worte zu finden, um die Arbeit dort, die Atmosphäre, die bisherigen Eindrücke und Erfahrung zu beschreiben. Nicht, weil auch nur irgendetwas davon negativ oder an sich schwierig in Worte zu fassen wäre, sondern weil es schwer ist, den Mix meiner so subjektiven Eindrücke und Gefühle verständlich und zusammenhängend auf Papier zu bringen. Trotz alledem wage ich hiermit den Versuch:

Erst einmal ist wichtig mitzuteilen, dass ich mich im Heim unglaublich aufgehoben und angekommen fühle und die Arbeit dort sehr genieße. Meine Mitfreiwillige und ich werden dort als ein Zusatz zu den staatlich finanzierten Mitarbeitern eingesetzt. Diese beaufsichtigen die Kinder und kümmern sich darum, dass sie pünktlich zur Schule kommen, die Hausaufgaben machen usw.. Es gibt eine Ärztin im Heim, die Kinder bekommen drei warme Mahlzeiten täglich, haben Snacks, Tanzunterricht und einige hatten die Möglichkeit ein paar Wochen in den USA bei einer Gastfamilie zu leben. Ich zähle diese Sachen nicht auf, weil sie unbedingt erstaunlich sind, sondern weil ich immer wieder mit den Bildern und Stereotypen des Terms „Heim für Straßen- und Waisenkinder“ konfrontiert werde. Entgegen mancher Vorstellungen fühlt sich das Heim für mich nicht wie ein trauriger Ort an, auch wenn die Kinder und Jugendlichen selbstverständlich nicht ohne Grund dort untergebracht sind. Eher wirkt es auf mich sehr familiär, und die Kinder wie alle anderen Kinder auch, verbringen ihre Tage damit zu spielen, zur Schule zu gehen und ab und zu mit dem Versuch die Grenzen der Erwachsenen um sie herum auszutesten.

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Im Heim leben Kinder und Jugendliche im Alter von ca. 3 bis 18 Jahren. Da Geschwisterkinder zusammenbleiben sollen und niemand mit 18 einfach rausgeschmissen wird, gibt es manchmal auch jüngere oder ältere Kinder. Es sind in der Regel zwischen 70 und 100 Kinder im Heim untergebracht.

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Unsere Arbeit als Freiwillige ist es Zeit mit den Kindern zu verbringen. Die staatlichen Ressourcen sind ausreichend, um eine geregelte und konstante Betreuung zu gewährleisten. Bei einem Betreuer für 30 Kinder bleibt allerdings verständlicher Weise kaum Raum und Energie für Bastelprojekte, Nähen, Englisch lernen oder Springseil springen und obwohl die Hausaufgaben kontrolliert und natürlich ein bisschen geholfen werden kann, gibt es keine wirklichen Kapazitäten, sich einzeln neben jedes Kind zu setzen und ihm ganz in Ruhe noch einmal Subtrahieren oder Bruchrechnung zu erklären.

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Das sind dann dementsprechend unsere Aufgaben als Freiwillige. Wir haben einen eigenen Schrank mit Brett- und Kartenspielen, Bastelutensilien, Straßenmalkreide usw.. Ob wir mit den Kindern basteln oder malen oder spielen oder einzelnen bei den Hausaufgaben helfen können wir uns dabei frei einteilen. So habe ich zum Beispiel in einer Phase Tage lang damit verbracht mit einer Gruppe kleiner Künstler Autos und Minimäuse zu zeichnen und habe mit einer Zweitklässlerin, die lesen übte, zwei Stunden lang gebraucht, um zwölf Worte zu entziffern. Meine Mitfreiwillige hat einem Jugendlichen ein wenig Klavier spielen beigebracht und wir üben mit einigen, bei denen Interesse besteht, Englisch.

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Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Arbeit sehr facettenreich und frei ist. Sie wird davon geformt, wer die Kinder und wir Freiwilligen als Person sind und welche Interessen gerade bestehen. Ich kann ehrlich sagen, dass ich bis jetzt jeden meiner Arbeitstage genossen habe und dass es ein unglaublich schönes Gefühl ist, die Kinder als die Individuen, die sie sind kennen zu lernen.

bunt, laut, fröhlich und satt

Dank des günstigen Zeitpunktes unserer Anreise hatte ich die Gelegenheit bereits in unserer ersten Woche hier zwei große Feiertage mitzuerleben.

Den Tag der Unabhängigkeit am 31. August und das Opferfest, was in diesem vorrangig muslimischen Land weitläufig gefeiert wird und in diesem Jahr auf den 01.-03. September fiel.

So genoss ich am Abend des 31. die lebendige Atmosphäre und die Feierlichkeiten auf dem Ala Too Platz. Vier Stunden lang traten kirgisische Popstars auf. Über dem Platz gespannte Lichterketten malten eine rot, goldene Sonne an den immer dunkler werdenden Sommerhimmel. Kinder liefen überall herum und Erwachsene lachten. Ein Feuerwerk bildete den krönenden Abschluss des Abends. Auf diese Weise wurden 26 Jahre Unabhängigkeit von der Sowjetunion groß und bunt und laut und fröhlich gefeiert.

Das Wochenende des Opferfestes verbrachten wir in der kleinen Stadt Karabalta, die mit dem Bus etwa zwei Stunden von Bischkek entfernt ist. Eingeladen von Tynara, die vor einigen Jahren als Au-pair in Deutschland gewesen war, hatten wir die Gelegenheit mit ihrer Familie das Fest ganz traditionell kirgisisch zu verbringen und gleichzeitig die kirgisische Gastfreundschaft, von der wir schon so viel gehört hatten zu genießen.

In Kirgistan zieht man beim Opferfest von Haus zu Haus und besucht Familie und Freunde, um mit jedem ein wenig Zeit zu verbringen und eine Kleinigkeit zu essen.  Ziel ist es am ersten Tag des drei Tage langen Fests mindestens sieben Häuser zu besuchen. Damit keiner der Gäste hungrig nach Hause geht, ist in jedem Haus eine Tafel mit einem Überfluss an Köstlichkeiten gedeckt, die von Gebäck über Obst bis hin zu traditionellen, herzhaften Gerichten wie Laghman alles bereithält.

Und so haben wir gegessen und geredet und gelacht, bekamen einen Tee nach dem anderen angeboten und obwohl wir nicht ganz sieben Häuser besuchten lernten wir eine ganze Menge neuer Menschen kennen. Obwohl ich während dieses Wochenendes von Zeit zu Zeit ein bisschen überfordert mit der Sprache und der überwältigenden Masse neuer Eindrücke war, war dieser erste tiefere Einblick in die kirgisische Kultur vor allem Eines: ein unbezahlbares Geschenk.

Ein Wirbel an Eindrücken

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Die letzten 10 Tage, meine ersten 10 in dieser Stadt, in diesem Land, waren unglaublich voll und aufregend und schön. Ich habe das Gefühl in dieser kurzen Zeit mehr erlebt und gesehen zu haben als in Deutschland im letzten halben Jahr.

Da waren natürlich die Ankunft und die ersten Erkundungen der Stadt. Da war das erste Kennenlernen der kirgisischen Küche. Da war das Miterleben des hiesigen Unabhängigkeitstages am 31.August. Da war der Wochenendausflug nach Karabalta, eine Kleinstadt, die etwa 2 Stunden von Bischkek entfernt ist. Da war das Feiern des Opferfestes – wir hatten das Glück von einer kirgisischen Familie eingeladen zu werden. Da ware die erste Maschrutka-Fahrt, das erste Schlendern über den Osh-Basar und die ersten Arbeitstage im Heim.

Diese Liste könnte ich noch lange weiterführen und ich würde gerne ausführlich über jede Einzelne dieser Erfahrungen berichten. Leider geht das nicht und so werde ich anfangen nach und nach, Blogeintrag für Blogeintrag, kleine Momentaufnahmen zu teilen, während ich beobachte und kennenlerne, meinen Platz hier finde und mich Stück für Stück in Bischkek und Kirgistan verliebe.

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