Sonnenschein, Blumen und Kinderlachen

Sommer, Sonne und Ferien für die Kinder Kirgistans. Im Heim liegt dieses Gefühl von Freiheit in der Luft, das nur Sommerferien in einem hervorrufen können. Der Alltag bleibt gleich und ist doch anders.

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Schulen in Bischkek arbeiten mit einem Schichtsystem. Das heißt, dass manche Kinder vormittags Unterricht haben, andere nachmittags. Das spart sowohl Raum als auch Lehrer. Im Heim gehen deshalb ein Teil der Kinder nach dem Frühstück in die Schule und kommen zum Mittagessen wieder und der andere Teil geht nach dem Mittagessen und kommt abends zurück. Für mich als Freiwillige bedeutete dieses System, dass ich sowohl vormittags als auch nachmittags immer mit einer begrenzten Gruppe von Schülern gearbeitet habe und nur abends und an schulfreien Tagen alle auf einmal da waren. Seit dem Anfang der Sommerferien sind immer alle da. Hausaufgaben gibt es nicht mehr, Gespräche über den Schultag auch nicht. Stattdessen werden mehr Ausflüge gemacht. Die Kinder gehen Baden. Die Sonne scheint heller und die Schulrucksäcke im Regal sind nicht mehr als Dekoration.

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Wir genießen das Sommerwetter. Spielen Frisbee, Springen Springseil und Stifte und Papier zum Malen werden mit nach draußen genommen, weil die Sonne zu schön und der Himmel zu blau ist, um drinnen zu bleiben. Die Blumen auf dem Gelände des Heims und in ganz Bischkek liefern sich einen Schönheitswettbewerb und machen die Stadt bunter und blühender. Haare werden heller und Haut wird gebräunter und frisches Obst ist überall präsent. Juni ist vielleicht mein Lieblingsmonat hier in Kirgistan.

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Auch bei einem Ausflug in die nahe gelegenen Berge oder ein Spaziergang durch einen der vielen Parks Bischkeks schwingt eine ganz besondere Magie mit. Die konstante Wärme und der Sonnenschein, zaubern allen ein Lächeln aufs Gesicht.

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Regentage in Bischkek

Frühling in Bischkek bedeutet Regentage in Bischkek – weitaus mehr Regentage zumindest als im Sommer oder Herbst oder Winter. Bis Anfang März habe ich fest an dem Gedanken festgehalten, dass es in Kirgistan so gut wie nie regnet, aber die letzten zwei Monate haben mich eines Besseren belehrt.

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Das Gute ist, ich liebe Regen. Regen ist so gemütlich. Regen bedeutet auch, dass die Stadt jeden Tag grüner wird und man förmlich zusehen kann wie das winterliche Grau verschwindet, Blätter wachsen, Blumen sprießen.

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An Regentagen ist auch die Atmosphäre im Heim eine ganz besondere. Es ist irgendwie ruhiger, gemütlicher. Gemeinsam sitzen wir auf dem Teppich im Zimmer und spielen Karten, rausgehen kann man schließlich nicht wirklich. Oder aber es wird gemeinsam Lego gebaut oder gewebt oder gemalt oder Klavier gespielt.

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Die Straßenhändler trotzen dem Regen. Geschützt von Sonnenschirmen werden weiter Blumen und Obst und Gemüse verkauft. So kann ich heute Abend eingekuschelt in meine Regenbogenkuscheldecke mit einer Tasse Tee die ersten Erdbeeren des Jahres genießen.

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Natürlich regnet es auch im Frühling nicht durchgängig, aber eben häufiger als sonst. Aber öfter noch als Regentage darf ich die warme Sonnenstrahlen und die blühende Stadt genießen. Frühling ist meine Lieblingsjahreszeit und mein Frühling hier in Kirgistan ein besonder schöner.

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Ein Wochenende in Karakol

Schon einige Zeit lang hatten wir uns auf ein Mädels-Wochenende gefreut – ein bisschen mehr vom Land sehen, Zeit miteinanderverbringen und einmal raus aus der Großstadt kommen. So brachen wir am vergangenen Freitagabend auf in Richtung Karakol.

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Karakol ist die viertgrößte Stadt Kirgistans und die Hauptstadt der Issyk-Kul Region. Die Stadt liegt am Ostufer des Issyk-Kuls und ist lediglich 150 km von der kirgisisch-chinesischen Grenze entfernt.

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Unabhängig davon, wo in der Stadt man sich befindet, hat man immer wieder einen spektakulären Blick auf die Gipfel der Berge, die Karakol einkesseln.

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Den  Samstag begannen wir ganz gemütlich mit einem Frühstück in der „Fat Cat“, einem kleinen Café im Zentrum.

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Im Anschluss besichtigten wir die nahegelegene russisch-orthodoxe Kathedrale.

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Die Kathedrale ist nicht nur ein dankbares Fotoobjekt, sondern auch ein wunderschöner und ruhiger Ort, um sich mit einem Buch auf einer der Bänke auf dem Gelände zu entspannen.

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Nach der Besichtigung der Kathedrale und einem kleinen Stadtbummel fuhren wir an den ca. 20 min. entfehrnt gelegenen See.

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Für mich gibt es kaum etwas Schöneres als am Wasser zu stehen und den Wellen zuzusehen. Kirgistan ist das Land, das am weitesten auf der Welt von einem Ozean entfehrnt liegt und regelmäßig packt mich das Meerweh. So war die Zeit am Issyk-Kul, dem zweitgrößten Gebirgssee der Welt, zusammen mit zwei guten Freundinen magisch und wunderschön.

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Mal wieder mit den Füßen durchs Wasser warten, Arm in Arm am Ufer zu stehen und den Blick auf den See und die Berge zu genießen war unbezahlbar.

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Hungrig, müde und sehr glücklich kamen wir abends wieder in der Stadt an und brachten den Tag mit einem Abendessens aus zentralasiatischen Gerichten wie Lagman (Nudel-Gemüse-Fleisch-Gericht) und Gan-Fan (Reis-Gemüse-Fleisch) zu Ende.

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Am Sonntagmorgen fuhren wir dann auf den Tiermarkt, der wöchentlich stattfindet und einer der größten Kirgistans ist. Das Basargelände ist ca. 2 km vom Zentrum entfehrnt und gut mit der Maschrutka (außgebaute Mercedessprinter, die als öffentliche Verkehrsmittel dienen) oder auch zu Fuß erreichbar.

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Der Markt fängt gegen Mitternacht in der Nacht von Samstag auf Sonntag an und ist gegen zwölf Uhr mittags am nächsten Tag zu Ende. Man findet Kühe, Schafe und Pferde sowie Reitzubehör. Wir selber haben das Ende des Marktes am Sonntagvormittag mitbekommen, an dem das große Treiben und Feilschen, für das der Basar bekannt ist, bereits vorbei war. Der Besuch hat sich aber trozdem mehr als gelohnt und wir konnten beobachten, wie die Tiere nach und nach auf Anhänger und in Kofferräume (Schafe) geladen wurden und sich das Gelände immer mehr lehrte.

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Nach einem abschließenden Spaziergang durch die Stadt brachen wir dann auf, zurück nach Bischkek.

Nowruz – Frühling in Bischkek

Es ist Frühling in Bischkek. Nach vielen Regengüssen und den ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres wird die Stadt endlich wieder grün.

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Nowruz – das kirgisische Neujahr, das auch in Persien, dem Kaukasus und in ganz Zentralasien gefeiert wird, markiert den Übergang zwischen den kalten Tagen des Winters und der neugefundenen Wärme des Frühlings. Ich hatte das Glück, den Feiertag mit kirgisischen Freunden auf dem Land verbringen zu können.

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Vor ein paar Monaten wurde ich von Aygul, einer unglaublich lieben und taffen Dame Anfang sechzig, zu ihrer „Gasttochter“ ernannt. Aygul wohnt in Kara-Balta, einer Kleinstadt, die ca. eine Stunde von Bischkek entfernt liegt. Am Morgen des 21.03. fuhren wir gemeinsam von dort aus in ein kleines Dorf, in dem sie früher gelebt und als Lehrerin gearbeitet hatte.

Die Feierlichkeiten fanden auf dem Gelände der Schule statt. Dort führten Schüler, zwischen Ansprachen und Livemusik, traditionelle Tänze vor und es wurden Spiele wie Tauziehen oder Wettrennen gespielt. Nachdem das Programm sein Ende gefunden hatte, wurde in den Klassenzimmern im Familien- und Freundeskreis gegessen, getrunken, gesungen und gelacht.

Es gab Borsok (frittierte Teigstückchen) und Plow (zentralasiatisches Reisgericht), die vorher in großen Töpfen für alle zubereitet wurden. Außerdem wurden Salate, selbstgemachte Pferdewurst, Obst, Süßigkeiten und Tee bereitgestellt.

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Mit Nowruz feiert man das Ende des Winters und den Beginn eines neuen Erntejahres. In Kirgistan ist, neben dem Feiern und Essen mit Familien und Freunden, das Kochen von Sümölök eine wichtige Tradition. Sümölök ist eine Art Brei aus Weizen, der im Familienkreis draußen über Feuer gekocht wird. Das Kochen von Sümölök nimmt 24 Stunden in Anspruch. In den ersten paar Stunden muss konstant gerührt werden. Dazu versammeln sich Familie und Gäste um das Feuer und unter Gesprächen und Wünschen fürs neue Jahr wird sich mit dem Rühren abgewechselt. Traditionell befinden sich sieben Wallnüsse und sieben Steine im Topf.

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Ich habe es sehr genossen, Nowruz auf diese Art und Weise zu verbringen und vom Kochen des Sümölöks am Vorabend bis zu den Feierlichkeiten am nächsten Tag mitfeiern zu dürfen. Nun bin ich vollends im Frühling angekommen.

Christmas Lights

Weihnachten ist schon seit drei Wochen vorbei. Neujahr und das russisch-orthodoxe Weihnachtsfest am 07. Januar sind ebenfalls verstrichen. Trotzdem ist ein Großteil der Stadt, der Straßen und Busse und Cafés immer noch geschmückt.

Gestern habe ich mich schon wieder dabei erwischt, viel zu viele Fotos von den bunten Weihnachts- und Neujahrslichtern zu schießen. Deshalb hier ein paar Eindrücke des festlichen Bischkek:

Ala-Too Square bei Tag

und bei Nacht

Die Manas Statue

Busfahrten durch den Dezember

Ein Tannenbaum darf auch nicht fehlen

Das Heim war voll geschmückt

Kunstvolle Fensterbemalungen verschönerten nicht nur die Busfahrten

Die Brücken, Bäume und Parks leuchten

Und das bin ich, wie ich absolut glücklich über die Lichter und den Schmuck und die festliche Stimmung und natürlich meine absolut geniale Mütze bin.

Bischkek ist eine wunderbare Stadt und inzwischen ein zweites Zuhause für mich. Das festliche Bischkek macht mich nur noch glücklicher und verliebter als ich sowieso schon bin. Vor allem die kreativ geschmückten Busse und Maschrutkas haben mir den Dezember versüßt und mich immer wieder zum schmunzeln gebracht.

Fragen aus der Heimat

“Wie war deine erste Begegnung mit den Kindern des Heims? Wie haben sie auf dich reagiert und du auf sie?“

Meine erste Begegnung mit den Kindern des Heims war an meinem zweiten Tag in Kirgistan. Unsere Vorfreiwilligen mussten leider vor unserer Ankunft abreisen, sodass wir sie nicht mehr kennen lernen konnten. Glücklicherweise war während unserer ersten Tage im Land eine ehemalige Freiwillige zu Besuch, die uns dann die Stadt und auch das Heim zeigen konnte.

In den Augen vieler Kinder waren wir bei unserer ersten kleinen Führung durch das Heim glaube ich nur ein paar Leute, die halt im Gebäude rumgelaufen sind und denen man keine große Beachtung schenken muss. Ein paar Kinder kamen auf uns zu und wollten wissen, wer wir sind und waren dann sehr schnell dabei uns die Englischkenntnisse, die sie hatten zu präsentieren. Ich erinnere mich, dass ich sehr aufgeregt war, während dieses ersten Besuches, aber auch sehr erleichtert, weil klar wurde, dass die Sprachbarriere zwar da war, aber nicht unmöglich zu überwinden.

Die ersten Wochen waren einfach aber doch schwierig. Viele der älteren Kinder waren – teilweise bis vor einem Monat noch – mir und meiner Mitfreiwilligen gegenüber sehr reserviert und verschlossen. Die ganz kleinen, d.h. die zwei- bis sechsjährigen haben mir ehrlicher Weise ein wenig Angst eingejagt und mich ein wenig überfordert. Sie waren sehr kontaktfreudig. Einerseits wollten gefühlte zehn Kleinkinder gleichzeitig, dass man sie auf den Arm nimmt, und andererseits haben weitere fünf versucht mich auf die Palme zu treiben und auf negative Art und Weise zum Beispiel durch schlagen meine Aufmerksamkeit zu erlangen.

Die „mittleren Kinder“, d.h. diejenigen, die im Grundschulalter sind und mit denen wir die meiste Zeit verbringen, waren größtenteils offen uns gegenüber, haben gleichzeitig aber auch versucht unsere Grenzen auszutesten und uns dazu zu bringen, genau das zu tun, das zu spielen, was sie genau jetzt in diesem Moment von uns wollen.

Unsere erste Begegnung und die ersten Wochen waren so zwar sehr positiv und es hat unglaublich viel Spaß gemacht, alle kennen zu lernen, aber es hat definitiv seine Zeit gedauert, eine wirkliche Beziehung und Vertrauen aufzubauen. Es gab dabei natürlich von Kind zu Kind und von Altersgruppe zu Altersgruppe andereHerausforderungen und Barrieren zu überwinden.

„Inwiefern hat sich die Begegnung verändert? Wie ist es, wenn du heute ins Kinderheim kommst? Reagieren sie jetzt anders auf dich und reagierst du jetzt anders auf sie?“

Wenn ich heute ins Heim komme, dann werde ich teilweise schon draußen mit Klopfen ans oder Rufen aus dem Fenster des Jungs Zimmers, welches den Eingang überblickt, begrüßt. Die Mitarbeiter und die älteren Kinder grüßen mich und spätesten im Treppenhaus umarmt mich das erste Grundschulkind. Selbst die Allerkleinsten wissen inzwischen meinen Namen, und können meine Mitfreiwillige und mich inzwischen auseinanderhalten.

Einer der sechzehnjährigen Jungen hat angefangen uns mit einem für uns reservierten Handschlag zu begrüßen und selbst die jugendlichen Mädchen begrüßen uns seit Anfang des Monats. Bis wir mit zwei von ihnen den Weihnachtsmarkt der deutschen Botschaft besucht haben, waren gerade diese noch sehr reserviert uns Freiwilligen gegenüber.

Ich freue mich inzwischen genauso sehr alle Kids zu sehen, wie sich viele von ihnen freuen, mich zu sehen. Ich weiß genau, an welcher Stelle ich „Nein“ sagen muss und an welcher ich problemlos nachgeben kann. Die Kinder respektieren mich einerseits weitaus mehr als Autoritätsperson als am Anfang, nennen mich andererseits auch inzwischen ihre Freundin und öffnen sich mir gegenüber, wenn sie Probleme haben, oder vertrauen mir an, wenn sie verliebt sind.

Ich bin jeden Tag wieder überrascht und dankbar über die Beziehung, die Verbindung und das Vertrauen, die die Kinder des Heims und ich inzwischen miteinander haben.

Infos und über den Tanz ins neue Jahr

Die Infos:

Mein Sprachgefühl ist momentan komplett durcheinander. Russisch mischt sich mit Englisch und Englisch mit Deutsch und umgekehrt. Das ist natürlich gut und wunderbar. Ich bin jeden Tag besser in der Lage Russisch zu reden und außerhalb der WG verständige ich mich hauptsächlich auf Englisch, falls mein Russisch dann doch nicht ausreicht. Das eigentlich nur als kleine Bemerkung vorne weg. Eventuell schleichen sich in meine Einträge ein paar Sätze mit englischem Satzbau ein und vielleicht werde ich in der Zukunft auch ein paar Einträge komplett auf Englisch veröffentlichen – der Einfachheit halber.

Und da mich immer wieder eine Menge Fragen aus der Heimat erreichen habe ich mich nach einem kleinen Stupser vom Dornröschen-Wolle-Team dazu entschieden, jeden zweiten Donnerstag ein paar „Fragen aus der Heimat“ zu beantworten. Der erste Eintrag dieser Rubrik wird bereits morgen zu lesen sein.

Über den Tanz ins neue Jahr:

Nach dieser kleinen Infobox wünsche ich allen ein wunderschönes und großartiges Neues Jahr!

Sylvester und damit auch das kirgisische Weihnachten habe ich gemeinsam mit meiner Mitfreiwilligen und mit den Kindern im Heim verbracht.

2018 hätte nicht besser beginnen können. Tanzend zu russischer Musik und unter Kinderlachen verstrichen die letzten Minuten des alten und die ersten Minuten des Neuen Jahres.

Der Tanz- und Veranstaltungsraum wurde erst für Spiele und später dann als Disko genutzt. Gemeinsam mit Kleinsten und den Ältesten wurden „Reise nach Jerusalem“ und andere Gruppenspiele gespielt. Zwei ehemalige Heimjungen, die inzwischen als junge Erwachsene immer noch aushelfen, waren Weihnachtsmann und DJ. Die Mädchen hatten die Chance ihre schönsten Ballkleider zu tragen. Ein Betreuer, der eigentlich frei hatte, verbrachte sein Neujahr trotz dessen, wie auch die zehn Jahre zuvor, mit „seinen“ Kids. Die Betreuer, die arbeiten mussten, bekamen ein kleines Weihnachtsgeschenk von den Kindern.

Nach den Spielen gab es ein kleines Festmahl und dann Feuerwerk. Daraufhin gingen die Kleinen ins Bett und die Älteren tanzten gemeinsam mit uns ins neue Jahr hinein.

Ich bin unglaublich dankbar für dieses unglaublich schöne und einmalige Sylvester, das ich nicht anders hätte verbringen mögen.

Weihnachten und Winter

Die Zeit fliegt vorbei. Der Dezember neigt sich dem Ende zu. 2018 klopft an der Tür.

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Wir haben inzwischen Winter in Bischkek. Schnee bedeckt die Dächer der Häuser, die Bäume und Grünstreifen. Auf den Bürgersteigen droht man auszurutschen, weil sie von einer Eisschicht bedeckt sind, die zum Schlittschuhlaufen geeignet wäre.

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Die Weihnachtszeit ist in vollem Gange. Die Stadt leuchtet und blinkt. Väterchen Frost kommt in Kirgistan am 31. Januar. Der 24. Dezember ist, außer man ist deutscher Freiwilliger, ein Tag wie jeder andere auch.

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Wir haben Weihnachten gemeinsam in kleiner und gemütlicher Runde gefeiert und auf dem Weihnachtsmarkt der deutschen Botschaft mit Glühwein und Plätzchen in Nostalgie geschwelgt.

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Das neue Jahr werden meine Mitfreiwillige und ich gemeinsam mit den Kindern im Heim einläuten. Dort gab es bereits eine kleine Neujahrsfeier, auf der die Kinder von Spendern beschenkt wurden. Es wurde getanzt gesungen und gelacht. Über die letzten Wochen wurde auch das Zentrum fleißig geschmückt und Weihnachtskarten gebastelt. Die Vorfreude auf 2018 ist groß.

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Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht

Charlotte

Natur

See, Berge und Canyon, Wandern, Ausritt und Strandspaziergang – alles an einem Wochenende.

Wer jemals in der „Schweiz Zentralasiens“ war oder Fotos gesehen hat, der weiß, dass Kirgistan landschaftlich nicht nur wunderschön, sondern auch facettenreich ist. So haben wir, das heißt fünf andere Freiwillige und ich, das lange Wochenende Anfang November genutzt, um der Großstadt zu entfliehen. Ziel war Bokonbaevo, eine Zehntausendeinwohnerstadt am Südufer des Issyk Kuls.

Schon auf der vierstündigen Maschrutkafahrt am Samstagmorgen wünschte ich mir, Gefühle ließen sich einfangen. Durch die Regentropfen an den Fensterscheiben verfolgte ich den Weg, der zwischen Bergen hindurch, zunächst an der kasachischen Grenze, dann am Seeufer entlang ging.

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Nach der Ankunft gelang es uns, ein gemütliches und familiäres Hostel, etwas abseits des Zentrums, zu finden. Eine Jurte im Garten, ständiger Nachschub an Tee und warme, von der Hausmutter frisch zubereitete, Mahlzeiten versüßten uns den Aufenthalt.

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Den ersten Nachmittag nutzten wir, die Stadt zu erkunden. Bokonbaevo ist klein, im Vergleich zu Bischkek sehr ländlich. Der Basar besteht aus nicht mehr als einer Handvoll an Ständen, im Vorbeigehen grüßt man sich.

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Unsere Entdeckungstour führte uns letzendlich zu einem Friedhof, der außerhalb der Stadt, erhöht auf einem Hügel, gelegen ist. Der herbstliche Nieselregen und die beginnende Abenddämmerung trugen zur düsteren Atmosphäre bei, die Gräber schienen stillschweigend auf den See, die Berge und die Stadt hinabzuschauen.

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Strahlender Sonnenschein und glasklare Sicht begleiten uns hingegen bei unserem Ausflug zum Skazka Canyon am nächsten Tag. Nicht ohne Grund wird dieser im Englischen als „Fairy Tale Canyon“ bezeichnet. Die orangeroten Sandsteinfelsen erwecken den Eindruck, man befände sich nicht in Kirgistan, sondern in Arizona oder Colorado. Bei einer kleinen Kletter- oder Wandertour durch den Canyon erwarten Einen märchenhaft geformte Felsen und eine atemberaubende Aussicht auf den Issyk Kul.

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Einen ebenso atemberaubenden Ausblick durften wir auch auf unserer Reittour am folgenden Tag genießen. Auf Pferderücken erklommen wir einen ca. 2000 Meter hohen Berg, sahen schneebedeckte Gipfel und ritten durch steppenartiges Tal.

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Nach einem kurzen Bad im winterlich kalten See ging es dann am Dienstagabend zurück nach Bischkek.

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Abschließend lässt sich nur sagen, dass ich mich unglaublich glücklich schätze, gemeinsam mit meinen Mitfreiwilligen, die ich inzwischen unsagbar liebgewonnen habe, vier tolle Tage verbracht zu haben.

Infobox:

Der Issyk Kul (oder Yssykköl) ist mit 6236 Quadratkilometern Fläche der zweitgrößte Gebirgssee der Welt.  Übersetzt heißt Issyk Kul so viel wie „warmer See“. Er liegt ca. 1600 m über dem Meeresspiegel und „warm“ ist er im November natürlich nicht unbedingt. Der Name rührt daher, dass der See auch bei -20 Grad im Winter nicht gefriert. Er ist umgeben von der Bergkette des Kungej- Alatau im Norden und des Terskej-Alatau im Süden.

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