Natur

See, Berge und Canyon, Wandern, Ausritt und Strandspaziergang – alles an einem Wochenende.

Wer jemals in der „Schweiz Zentralasiens“ war oder Fotos gesehen hat, der weiß, dass Kirgistan landschaftlich nicht nur wunderschön, sondern auch facettenreich ist. So haben wir, das heißt fünf andere Freiwillige und ich, das lange Wochenende Anfang November genutzt, um der Großstadt zu entfliehen. Ziel war Bokonbaevo, eine Zehntausendeinwohnerstadt am Südufer des Issyk Kuls.

Schon auf der vierstündigen Maschrutkafahrt am Samstagmorgen wünschte ich mir, Gefühle ließen sich einfangen. Durch die Regentropfen an den Fensterscheiben verfolgte ich den Weg, der zwischen Bergen hindurch, zunächst an der kasachischen Grenze, dann am Seeufer entlang ging.

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Nach der Ankunft gelang es uns, ein gemütliches und familiäres Hostel, etwas abseits des Zentrums, zu finden. Eine Jurte im Garten, ständiger Nachschub an Tee und warme, von der Hausmutter frisch zubereitete, Mahlzeiten versüßten uns den Aufenthalt.

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Den ersten Nachmittag nutzten wir, die Stadt zu erkunden. Bokonbaevo ist klein, im Vergleich zu Bischkek sehr ländlich. Der Basar besteht aus nicht mehr als einer Handvoll an Ständen, im Vorbeigehen grüßt man sich.

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Unsere Entdeckungstour führte uns letzendlich zu einem Friedhof, der außerhalb der Stadt, erhöht auf einem Hügel, gelegen ist. Der herbstliche Nieselregen und die beginnende Abenddämmerung trugen zur düsteren Atmosphäre bei, die Gräber schienen stillschweigend auf den See, die Berge und die Stadt hinabzuschauen.

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Strahlender Sonnenschein und glasklare Sicht begleiten uns hingegen bei unserem Ausflug zum Skazka Canyon am nächsten Tag. Nicht ohne Grund wird dieser im Englischen als „Fairy Tale Canyon“ bezeichnet. Die orangeroten Sandsteinfelsen erwecken den Eindruck, man befände sich nicht in Kirgistan, sondern in Arizona oder Colorado. Bei einer kleinen Kletter- oder Wandertour durch den Canyon erwarten Einen märchenhaft geformte Felsen und eine atemberaubende Aussicht auf den Issyk Kul.

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Einen ebenso atemberaubenden Ausblick durften wir auch auf unserer Reittour am folgenden Tag genießen. Auf Pferderücken erklommen wir einen ca. 2000 Meter hohen Berg, sahen schneebedeckte Gipfel und ritten durch steppenartiges Tal.

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Nach einem kurzen Bad im winterlich kalten See ging es dann am Dienstagabend zurück nach Bischkek.

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Abschließend lässt sich nur sagen, dass ich mich unglaublich glücklich schätze, gemeinsam mit meinen Mitfreiwilligen, die ich inzwischen unsagbar liebgewonnen habe, vier tolle Tage verbracht zu haben.

Infobox:

Der Issyk Kul (oder Yssykköl) ist mit 6236 Quadratkilometern Fläche der zweitgrößte Gebirgssee der Welt.  Übersetzt heißt Issyk Kul so viel wie „warmer See“. Er liegt ca. 1600 m über dem Meeresspiegel und „warm“ ist er im November natürlich nicht unbedingt. Der Name rührt daher, dass der See auch bei -20 Grad im Winter nicht gefriert. Er ist umgeben von der Bergkette des Kungej- Alatau im Norden und des Terskej-Alatau im Süden.

home is where the heart is

 Wie wahr! Inzwischen ist Bischkek genau das für mich geworden: mein Zuhause.

Der Weg zur Arbeit, zum Supermarkt, zur Sprachschule ist mehr als vertraut und Maschrutka (ausgebaute Mercedessprinter, die als öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden) fahren ist mittlerweile kein Abenteuer mehr, sondern zum Automatismus geworden. Die Mitarbeiter im Coffeeshop um die Ecke, am Gemüse- und Brotstand und im Supermarkt sind mir vertraute Gesichter.

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Auf der Arbeit kenne ich inzwischen die Namen aller Kinder und weiß von den Meisten wie alt und wer ihre Geschwister und Freunde sind.  Ich verstehe immer mehr Russisch (u.a. dank einer sehr engagierten Sprachlehrerin und den Kindern im Heim) und es ist ein unglaublich schönes Gefühl, sich inzwischen in Alltagssituationen wie beim Restaurantbesuch, beim Einkaufen oder in der Maschrutka, einigermaßen und ohne großes Stottern und hilflose Blicke auf Russisch verständlich machen zu können.

Die WG wachsen wird immer mehr zu einer kleinen Familie, und meine Mitfreiwillige kann ich inzwischen meine Freundin nennen.

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Ich befinde mich also im ganz normalen Leben angekommen. Der Alltag ist ebendas: Alltag. Es ist keine Herausforderung mehr Einzukaufen oder von A nach B zu kommen. Der Prozess bis zu diesem Punkt war unglaublich schön und spannend und ist selbstverständlich noch nicht abgeschlossen. Trotz dessen ist es mindestens ein genauso gutes Gefühl langsam aber sicher anzufangen, ein wirkliches Leben hier zu leben, Kontakte aufzubauen, die über die Arbeit und andere deutsche Freiwillige hinausgeht, Hobbies wie Yoga zu finden und immer weiter einzutauchen und sich einzulassen auf dieses wunderschöne Land und seine Kultur.

Mein Projekt – Eindrücke aus den ersten Wochen im Zentr reabilitazii detei i molodjoshi

Seit über einem Monat arbeite ich nun schon in meinem Projekt im Zentr reabilitazii detei i molodjoshi, einem Heim für Straßen- und Waisenkinder, hier in Bischkek. Seit über einem Monat versuche ich außerdem, die richtigen Worte zu finden, um die Arbeit dort, die Atmosphäre, die bisherigen Eindrücke und Erfahrung zu beschreiben. Nicht, weil auch nur irgendetwas davon negativ oder an sich schwierig in Worte zu fassen wäre, sondern weil es schwer ist, den Mix meiner so subjektiven Eindrücke und Gefühle verständlich und zusammenhängend auf Papier zu bringen. Trotz alledem wage ich hiermit den Versuch:

Erst einmal ist wichtig mitzuteilen, dass ich mich im Heim unglaublich aufgehoben und angekommen fühle und die Arbeit dort sehr genieße. Meine Mitfreiwillige und ich werden dort als ein Zusatz zu den staatlich finanzierten Mitarbeitern eingesetzt. Diese beaufsichtigen die Kinder und kümmern sich darum, dass sie pünktlich zur Schule kommen, die Hausaufgaben machen usw.. Es gibt eine Ärztin im Heim, die Kinder bekommen drei warme Mahlzeiten täglich, haben Snacks, Tanzunterricht und einige hatten die Möglichkeit ein paar Wochen in den USA bei einer Gastfamilie zu leben. Ich zähle diese Sachen nicht auf, weil sie unbedingt erstaunlich sind, sondern weil ich immer wieder mit den Bildern und Stereotypen des Terms „Heim für Straßen- und Waisenkinder“ konfrontiert werde. Entgegen mancher Vorstellungen fühlt sich das Heim für mich nicht wie ein trauriger Ort an, auch wenn die Kinder und Jugendlichen selbstverständlich nicht ohne Grund dort untergebracht sind. Eher wirkt es auf mich sehr familiär, und die Kinder wie alle anderen Kinder auch, verbringen ihre Tage damit zu spielen, zur Schule zu gehen und ab und zu mit dem Versuch die Grenzen der Erwachsenen um sie herum auszutesten.

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Im Heim leben Kinder und Jugendliche im Alter von ca. 3 bis 18 Jahren. Da Geschwisterkinder zusammenbleiben sollen und niemand mit 18 einfach rausgeschmissen wird, gibt es manchmal auch jüngere oder ältere Kinder. Es sind in der Regel zwischen 70 und 100 Kinder im Heim untergebracht.

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Unsere Arbeit als Freiwillige ist es Zeit mit den Kindern zu verbringen. Die staatlichen Ressourcen sind ausreichend, um eine geregelte und konstante Betreuung zu gewährleisten. Bei einem Betreuer für 30 Kinder bleibt allerdings verständlicher Weise kaum Raum und Energie für Bastelprojekte, Nähen, Englisch lernen oder Springseil springen und obwohl die Hausaufgaben kontrolliert und natürlich ein bisschen geholfen werden kann, gibt es keine wirklichen Kapazitäten, sich einzeln neben jedes Kind zu setzen und ihm ganz in Ruhe noch einmal Subtrahieren oder Bruchrechnung zu erklären.

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Das sind dann dementsprechend unsere Aufgaben als Freiwillige. Wir haben einen eigenen Schrank mit Brett- und Kartenspielen, Bastelutensilien, Straßenmalkreide usw.. Ob wir mit den Kindern basteln oder malen oder spielen oder einzelnen bei den Hausaufgaben helfen können wir uns dabei frei einteilen. So habe ich zum Beispiel in einer Phase Tage lang damit verbracht mit einer Gruppe kleiner Künstler Autos und Minimäuse zu zeichnen und habe mit einer Zweitklässlerin, die lesen übte, zwei Stunden lang gebraucht, um zwölf Worte zu entziffern. Meine Mitfreiwillige hat einem Jugendlichen ein wenig Klavier spielen beigebracht und wir üben mit einigen, bei denen Interesse besteht, Englisch.

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Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Arbeit sehr facettenreich und frei ist. Sie wird davon geformt, wer die Kinder und wir Freiwilligen als Person sind und welche Interessen gerade bestehen. Ich kann ehrlich sagen, dass ich bis jetzt jeden meiner Arbeitstage genossen habe und dass es ein unglaublich schönes Gefühl ist, die Kinder als die Individuen, die sie sind kennen zu lernen.

bunt, laut, fröhlich und satt

Dank des günstigen Zeitpunktes unserer Anreise hatte ich die Gelegenheit bereits in unserer ersten Woche hier zwei große Feiertage mitzuerleben.

Den Tag der Unabhängigkeit am 31. August und das Opferfest, was in diesem vorrangig muslimischen Land weitläufig gefeiert wird und in diesem Jahr auf den 01.-03. September fiel.

So genoss ich am Abend des 31. die lebendige Atmosphäre und die Feierlichkeiten auf dem Ala Too Platz. Vier Stunden lang traten kirgisische Popstars auf. Über dem Platz gespannte Lichterketten malten eine rot, goldene Sonne an den immer dunkler werdenden Sommerhimmel. Kinder liefen überall herum und Erwachsene lachten. Ein Feuerwerk bildete den krönenden Abschluss des Abends. Auf diese Weise wurden 26 Jahre Unabhängigkeit von der Sowjetunion groß und bunt und laut und fröhlich gefeiert.

Das Wochenende des Opferfestes verbrachten wir in der kleinen Stadt Karabalta, die mit dem Bus etwa zwei Stunden von Bischkek entfernt ist. Eingeladen von Tynara, die vor einigen Jahren als Au-pair in Deutschland gewesen war, hatten wir die Gelegenheit mit ihrer Familie das Fest ganz traditionell kirgisisch zu verbringen und gleichzeitig die kirgisische Gastfreundschaft, von der wir schon so viel gehört hatten zu genießen.

In Kirgistan zieht man beim Opferfest von Haus zu Haus und besucht Familie und Freunde, um mit jedem ein wenig Zeit zu verbringen und eine Kleinigkeit zu essen.  Ziel ist es am ersten Tag des drei Tage langen Fests mindestens sieben Häuser zu besuchen. Damit keiner der Gäste hungrig nach Hause geht, ist in jedem Haus eine Tafel mit einem Überfluss an Köstlichkeiten gedeckt, die von Gebäck über Obst bis hin zu traditionellen, herzhaften Gerichten wie Laghman alles bereithält.

Und so haben wir gegessen und geredet und gelacht, bekamen einen Tee nach dem anderen angeboten und obwohl wir nicht ganz sieben Häuser besuchten lernten wir eine ganze Menge neuer Menschen kennen. Obwohl ich während dieses Wochenendes von Zeit zu Zeit ein bisschen überfordert mit der Sprache und der überwältigenden Masse neuer Eindrücke war, war dieser erste tiefere Einblick in die kirgisische Kultur vor allem Eines: ein unbezahlbares Geschenk.

Ein Wirbel an Eindrücken

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Die letzten 10 Tage, meine ersten 10 in dieser Stadt, in diesem Land, waren unglaublich voll und aufregend und schön. Ich habe das Gefühl in dieser kurzen Zeit mehr erlebt und gesehen zu haben als in Deutschland im letzten halben Jahr.

Da waren natürlich die Ankunft und die ersten Erkundungen der Stadt. Da war das erste Kennenlernen der kirgisischen Küche. Da war das Miterleben des hiesigen Unabhängigkeitstages am 31.August. Da war der Wochenendausflug nach Karabalta, eine Kleinstadt, die etwa 2 Stunden von Bischkek entfernt ist. Da war das Feiern des Opferfestes – wir hatten das Glück von einer kirgisischen Familie eingeladen zu werden. Da ware die erste Maschrutka-Fahrt, das erste Schlendern über den Osh-Basar und die ersten Arbeitstage im Heim.

Diese Liste könnte ich noch lange weiterführen und ich würde gerne ausführlich über jede Einzelne dieser Erfahrungen berichten. Leider geht das nicht und so werde ich anfangen nach und nach, Blogeintrag für Blogeintrag, kleine Momentaufnahmen zu teilen, während ich beobachte und kennenlerne, meinen Platz hier finde und mich Stück für Stück in Bischkek und Kirgistan verliebe.

Fliegen

Das ist alles was noch bleibt. Das Visum ist abgeholt, das Vorbereitungsseminar hat noch Einiges an Sicherheit gegeben, der Koffer ist gepackt und die Meisten schon verabschiedet. In weniger als 48 Stunden werde ich auf dem Weg sein und mich in erschreckend realer Weise auf der Schwelle zwischen zwei Lebensabschnitten befinden.

Und obwohl die letzten Wochen und Tage ein Wirrwarr aus Abschiedsschmerz und Vorfreude, aus Angst und Mut, aus Lachen und Weinen gewesen sind gehe ich diesen letzten Schritt mit einem Lächeln auf dem Gesicht und einer unerschütterbaren Gewissheit im Herzen.

Ich habe das große Glück dabei eine Gruppe unglaublicher Menschen hinter mir stehen zu haben. Die mich vermissen werden, für die sich auch vieles mit meiner Abreise verändern wird und die mich trotz alle dem fliegen lassen.

Mit diesen Menschen genieße ich jetzt meine letzten Stunden in Deutschland, bevor ich am Montagmorgen ins Flugzeug steige und mich endlich auf den Weg machen werde nach Kirgistan.

Warum Kirgistan?

Warum nicht?

Also….

meine Entscheidung mit Weltwärts nach Kirgistan zu gehen, was eine eher ungewöhnliche Landeswahl ist, kam wie folgt zustande:

Ich wollte gerne einen Freiwilligendienst im Ausland machen, weil mich Kontakt zwischen verschiedenen Kulturen fasziniert und ich mich gerne mit mir Fremden auseinandersetze. Ich bin auf meiner Suche nach der für mich richtigen Form des Freiwilligendienstes auf Weltwärts gestoßen und war von dem Programm und vor allem der Philosophie, also dem Gedanken, der Intention hinter dieser Form des Freiwilligendienstes begeistert.

Nach vielen Stunden Recherche, habe ich mich dann entschieden, mich bei VIA (meiner Organisation) für einen Weltwärts- Freiwilligendienst zu bewerben. Ausschlaggebender Grund bei der Wahl meiner Organisation war dabei, dass man sich bei VIA nicht auf ein bestimmtes Land beschränken muss, sondern sich für Kontinente, d.h. landesunabhängig für den Freiwilligendienst bewerben kann und soll. Sinn der Sache ist, dass im Mittelpunkt steht ein passendes Projekt zu finden, ohne sich dabei auf ein bestimmtes Land zu beschränken.

Da ich kein Wort Spanisch spreche habe ich Lateinamerika außen vorgelassen und mich für Afrika und Asien generell beworben. Letztendlich hatte ich verschiedene Projektvorschläge und musste mich zwischen meinem Projekt in Kirgistan und einem anderen Projekt in Indien entscheiden.

Die Entscheidung fiel mir mehr als schwer und am Ende hat nicht der Kopf, sondern das Herz entschieden. Vielleicht war letztendlich auch die Faszination ausschlaggebend, in einem für Westeuropäer eher unbekanntes Land zu leben.

So war, als ich den Projektvorschlag bekam, alles, was ich über Kirgistan wusste, dass es irgendwo in Zentralasien- „da bei Kasachstan“ – liegt. Während ich ein Bild von Indien hatte, dass von Filmen und Stereotypen und ein wenig Schulwissen geprägt war, erschien Kirgistan wie ein unbeschriebenes Blatt für mich.

Der wichtigste Grund für meine Entscheidung war allerdings das Projekt. In Kirgistan wurde mir ziemlich genau das Projekt vorgeschlagen, das ich bei meinem ersten Telefoninterview mit VIA auf die Frage „Wie würde dein absolutes Traumprojekt aussehen?“ hin, beschrieben hatte. Als ich das realisierte fiel die Entscheidung da auf einmal ganz leicht.

So habe ich mich letzten Winter also entschieden, mit Weltwärts nach Kirgistan zu gehen. Eine eher ungewöhnliche Wahl, aber eine, die ich bis jetzt keine Sekunde lang bereut habe. Im Gegenteil, meine Liebe, meine Faszination, und meine Vorfreude auf mein Projekt und auf Kirgistan wachsen von Tag zu Tag und ich kann es kaum noch erwarten endlich in den Flieger zu steigen und loszulegen, Land und Projekt wirklich kennen zu lernen.

Und dann ist da die Sache mit der Sprache

„Nach Kirgistan? Was spricht man denn da?“ – „Russisch.“ – „Kannst du denn russisch?“

In leicht abgewandelter Form und Wortlaut habe ich diese Konversation im Moment beinahe täglich. Und die Antwort ist nein. Ich spreche kein Russisch und auch kein Kirgisisch. Inzwischen habe ich mir per App circa das halbe kyrillische Alphabet beigebracht und kann mit schlimmsten deutschen Akzent „danke“ und „bitte“ und „wie geht es dir?“ sagen. Das ist dann allerdings auch schon das volle Ausmaß meiner kläglichen Russischkenntnisse. Leider.

Und um eine weitere Frage zu beantworten, die mir im Laufe einer solchen Konversation gestellt wird: Nein, ich habe keine Angst vor dieser Sprachbarriere, obwohl mein Verstand mir sagt, dass ich es sollte.

Vielmehr freue ich mich auf gerade diese Herausforderung und den Russisch- Crash- Course, der mir in den ersten Wochen in Bischkek definitiv bevorstehen wird. Die Aussicht, mich anfangs nur mit Zeichensprache, Englisch und gebrochenen Russisch zu verständigen, klingt zwar abenteuerlich, aber zaubert mir auch irgendwie ein Lächeln aufs Gesicht. Ich freue mich auf die Erfahrung, das Erlebnis, mich sprachlich noch mehr als kulturell ins kalte Wasser oder vielmehr in die Berglandschaft Zentralasiens zu werfen.

Und obwohl unsere Koordinatorin und Ansprechpartnerin vor Ort sowohl Englisch als auch Deutsch spricht und uns daher auf den anfänglichen Behördengängen etc. als Übersetzerin begleiten wird, spricht an meinem Arbeitsort, also meinem Projekt, kein einziger der Mitarbeiter Englisch oder Deutsch. Dort und bei vielen anderen Begegnungen wird es also heißen zu Improvisieren, sich in Geduld zu üben und möglichst schnell auf Russisch kommunizieren zu lernen.

Das Gefühl „Produktiv zu sein“

Mein gestriger Ausflug zur Botschaft ist erfolgreich überstanden und das Vorbereitungsseminar rückt immer näher. Der Gedanke bald erst mal zehn Tage weg zu sein hat mir anfangs der Woche noch Stress bereitet, ist nun aber zu einer schönen Aussicht geworden.

Stress deshalb, weil nicht zuhause sein bedeutet, keine Gelegenheit zu haben, alles Notwendige in Richtung Freiwilligendienst erledigen zu können. So war ich diese Woche im Zugzwang, in der sauren Apfel zu beißen. Das heißt im Klartext: zwei Impfungen, zwei Banktermine, der Visumsantrag, ein paar abgesendete Briefe und bestellte Kontaktlinsen.

Auf meiner Liste von Dingen, die noch unbedingt vor dem Seminar erledigt sein müssen, ist jetzt nur noch eines offen- Koffer für ebendieses Seminar packen!

 

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